Boogie-Connection in Oberried

Zum 2. Mal spielte am vergangenen Samstag in Oberried die Freiburger Band „Boogie Connection“ – diesmal in der „Adlerscheune“ des „Goldenen Adler“. Hanspeter Schweizer,  Herausgeber vom „Dreisamtäler“, feierte am gleichen Abend hier das 25-jährige Bestehen des Dreisamtälers und seinen 55. Geburtstag. Das Trio aus dem Pianisten Thomas Scheytt, dem Gitarristen und Sänger Christoph Pfaff und dem Drummer Hiram Mutschler hat gerade sein 20-jähriges Jubiläum gefeiert.

Mit über 100 Auftritten pro Jahr, sowohl im kleinen Kreis, als auch bei großen Jazzfestivals in Deutschland und im europäischen Ausland, gehören die Musiker zur Spitze der internationalen Blues- und Boogie-Szene. Die Mischung aus Boogie-Woogie, Blues-und Rhythm’n’Blues, Rock’n’Roll, Ragtime und Soul ist einzigartig. Die Musiker nehmen ihr Publikum mit auf eine Zeitreise in die 20-iger und 30-iger Jahre, da wo Blues und Boogie ihr Anfänge hatten, bis hin in die 50-iger und 60-iger Jahre, der Zeit des Rock’n Roll. Neben der Interpretation großer Klassiker wie B.B. King oder Chuck Berry und Interpreten, die weniger bekannt waren, wartet die Band auch mit eigenen Kompositionen auf. Pfaff betonte, dass es ihre Spezialität sei, aus dem unerschöpflichen Repertoire der Musikgeschichte auch gerade solche Stücke herauszupicken, die nicht so bekannt wurden. Gekonnt arrangiert die Band das eine oder andere Stück neu.
Die Musiker, alle Meister ihres Fachs, verbreiteten mit ihrem Charisma und Musik mit „Hüfte“ im Saal einen Zauber, der sich kaum in Worten beschreiben lässt. Das ist jenseits von dem „da draußen“, dem allgemeinen Getriebensein, schneller, besser, größer sein zu müssen, immer „Fun“ und doch keine Zeit zu  haben, immer unter Strom zu stehen. Uns geht dabei nämlich der „Groove“ verloren. Entschleunigung gelingt gerade bei den langsamen, seelenvollen Bluesstücken, denn der 6/8-Takt ist pure Trance. Ich weiß noch, wie mich mein großer Bruder Ende der 50iger Jahre, einer Zeit geprägt von Strenge, Enge, Moral und Bigotterie, mit dem Blues „infizierte“. Er brachte sich das Gitarrenspielen selbst bei und sang sich seinen Pupertätsfrust von der Seele und ich sang kräftig mit- Wir waren sozusagen eine winzige Keimzelle der Aufbruchstimmung, die damals aufkam. „Blues ist Kindermusik“, wie Thomas Scheytt einmal sagte. Jahrzehnte später in Afrika konnte ich den Zeremonien von Priesterinnen und Priestern beiwohnen, die Trommeln rollten im 6er-Rhythmus und die Tänzer schienen über dem Boden zu schweben, Archetypische Erinnerungen weckt der Blues in vielen von uns. Und erst der Rythm’n’Blues! Elegant und lässig kam er rüber und verströmte reine Lebenslust. Die Adler-Scheune war bestuhlt und viele hätten gerne getanzt, doch auch der letzte Stehplatz war belegt. So übten sich die Sitzenden denn im Stuhltanz, der in Schulen und Seniorenheimen modern ist. Spätestens aber beim schnellen Boogie wirkte der Stuhltanz dann doch ein wenig skurril. Frontmann Christoph Pfaff führte mit Witz durchs Programm und brachte das Publikum zum Lachen. Und wie kam man ins Staunen, wenn man Thomas Scheytt, dem virtuosen Pianisten, beim rasanten Boogie zuschaute, oder bei den leisen Tönen eines seelenvollen, langsamen Blues zum Dahinschmelzen. Christoph Pfaff sang mit schöner Männerstimme, die mal kraftvoll, rau und mächtig, mal fein und zart ist, und brachte das Publikum ins Träumen ob seiner Gitarrensoli. Großartig war auch der Drummer Hiram Mutschler, der mit lauten und leisen Sequenzen die Verbindung herstellte und mit großem Einfühlungsvermögen sein Schlagzeug zum Klingen brachte. Die Band spielt am 16. Dezember in der Alemanischen Bühne in Freiburg und im Oktober 2013 wieder in Oberried in der Klosterschiire. Infos zur Band und Tourdaten unter www.boogie-connection.de 
Ursula Heist, 7.11.2012, www.dreisamtaeler.de

Die Boogie Connection (v.l.): Thomas Scheytt, Hiram Mutschler und Christoph Pfaff. Foto: Sentilo Rieber

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