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Platz zwischen Neuem Rathaus und Baurechtsamt in Freiburg im Mai 2017: Beton, Steinpflaster, Bodenversiegelung, Hitze

 

 
Digitalpakt für Schulen – Furchtbar
„Smartphone: Millionen von Toten weltweit“ – Mit seinem Buch „Die Smartphone-Epidemie“ sorgt Bestsellerautor Manfred Spitzer wieder für Debatten. Der Neurowissenschaftler warnt, die kleinen Telefone sind eine fatal unterschätzte globale Gefahr
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Vergangene Woche hat der Deutsche Bundestag den „Digitalpakt“ beschlossen, der die digitale Revolution nun in die Schulen bringen soll.
Spitzer: Furchtbar! Denn Computer in Schulen schaden nachweislich dem Lernen. Bereits 2012 wurde im Fachblatt Science publiziert, daß erstens mit E-Büchern weniger gelernt wird als mit klassischen Büchern und zweitens daß digitale Suchmaschinen wie Google zu weniger Lernen führen als die bisher verwendeten Quellen, also etwa Zeitungen, Zeitschriften und vor allem Bücher.
Aber Computer sind nun mal die Zukunft.
Spitzer: Ich habe nichts gegen Programmieren als Unterrichtsfach. Aber beim Digitalpakt geht es um die Computerisierung des normalen Unterrichts! In meinem Buch zeige ich, daß Daten der OECD aus den PISA-Studien belegen: Staaten, die ihre Schulen stärker computerisiert haben, erzielten schlechtere Bildungsergebnisse als jene mit weniger Computern an Schulen. Das heißt also, daß wir nun fünf Milliarden Euro für einen Digitalpakt ausgeben – und zudem dafür das Grundgesetz geändert haben –, damit das Lernen an den Schulen abnimmt. Und obendrein den Bundesländern die Bildungshoheit genommen und faktisch an die fünf reichsten Firmen der Welt – Apple, Google, Microsoft, Amazon und Facebook – weitergegeben wird. Ich finde das unerträglich!
Warum sieht die Politik das nicht?
Spitzer: Weil sie natürlich selbst dem Bann des Zauberworts Digitalisierung verfallen ist und weil sie hofft, sich in dessen „Glanz“ sonnen zu können. Und weil die Digitalwirtschaft natürlich enormen Einfluß hat. Schauen Sie sich doch nur die gerade genannten fünf wertvollsten Unternehmen der Welt an. – Energielobby? Autolobby? Waffenlobby? Das sind dagegen eher nur Zwerge.
…. Komplettes Interview mit Prof Manfred Spitzer vom 1.3.2019 bitte lesen
auf Junge Freiheit, 10/19, Seite 3, http://www.jungeFreiheit.de
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Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer, der Wissenschaftler und Publizist ist Autor zahlreicher Bücher, darunter die Erfolgstitel „Vorsicht Bildschirm. Elektronische Medien, Gehirnentwicklung und Gesundheit“, „Cyberkrank. Wie das digitalisierte Leben unsere Gesundheit ruiniert“ sowie der Platz-eins-Bestseller „Digitale Demenz. Wie wir unsere Kinder um den Verstand bringen“. Bekannt wurde er zudem durch zahlreiche Interviews und Fernsehauftritte; kaum eine Talkrunde, in der er nicht schon zu Gast war. Spitzer, der im Bayerischen Fernsehen auch die Sendung „Geist und Gehirn“ moderierte, ist Leiter des Psychiatrischen Universitätsklinikums in Ulm und Inhaber des Lehrstuhls für Psychiatrie. Zwei Gastprofessuren in Harvard und ein Forschungsaufenthalt an der Universität Oregon prägten seinen Forschungsschwerpunkt im Grenzbereich der kognitiven Neurowissenschaft und Psychiatrie. Zuletzt erschienen 2018 aus seiner Feder: „Einsamkeit. Die unerkannte Krankheit“ und „Die Smartphone-Epidemie. Gefahren für Gesundheit, Bildung und Gesellschaft“. Geboren wurde Manfred Spitzer 1958 in Lengfeld-Otzberg bei Darmstadt.

 

 

40 Mio Digitalaufrüstung für Freiburgs Schulen – wozu?
Zwei Zukunftsthemen auf einer Zeitungsseite: Schüler stehen endlich auf und machen darauf aufmerksam, wie zerbrechlich diese Erde ist und drängen mit vollem Recht auf möglichst schnelle Umsetzung von Klimazielen. Gleichzeitig wird berichtet, dass die Stadt Freiburg ihre Schulen in den kommenden Jahren für über 40 Millionen Euro digital aufrüsten möchte. Und dann werden im “Münstereck” noch Schulen belächelt, die mit ihren Overheadprojektoren in der Kreidezeit stehen geblieben seien. Für mich ein schreiender Widerspruch, für den auch die Jugendlichen in all ihrer Bereitschaft, für ihre Zukunft zu kämpfen, sensibilisiert werden müssen:
PCs, Laptops, Tablets, Smartphones werden in China produziert – der Nation, die weltweit am stärksten zur Luftverschmutzung und damit Klimakatastrophe beiträgt.
Welche Lebenszeit haben PC oder Smartphone, welchen Energieverbrauch, welche Mengen an Emissionen und verschmutzten Gewässern bedeuten Produktion und auch Entsorgung des Elektronikschrottes?
Geht es nicht ein bisschen bescheidener und verantwortungsvoller? Der gute alte Overheadprojektor aus den 70er-Jahren kommt bei uns in der Grundschule immer noch effektiv zum Einsatz und wird auch so schnell nicht entsorgt werden, er braucht nur alle paar Jahre eine neue Glühbirne.
21.2.2019, Rebekka Fehl, Freiburg
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Zu: “Millionen-Update im Klassenzimmer”
http://www.badische-zeitung.de/freiburg/freiburg-investiert-in-die-digitalisierung-der-schulen–164426423.html
Digitalisierungstop für Grundschulen – futur-ii.de
BZ: Sie fordern einen Digitalisierungsstopp für Grundschulen, wie sollen die Schülerinnen und Schüler dann Medienkompetenz lernen?
Ralf Lankau: Ich unterscheide zwischen Medienbedienkompetenz und Medienmündigkeit. Ein Tablet oder Smartphone bedienen können schon Zweieinhalbjährige.
Medienmündig werden Kinder erst ab etwa 12, 13 Jahren. Dann sind sie in der Lage, Medien zu hinterfragen. Weiß ich, was ich inhaltlich damit tue und was dabei im Hintergrund passiert? Denn wenn Kinder fernsehen, konsumieren sie zwar passiv, aber viel mehr passiert nicht. Machen sie dasselbe im Netz, wird protokolliert, was sie tun. Der Rückkanal ist der entscheidende Punkt.
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BZ: Was passiert denn beim Einsatz von Tablets und Lern-Apps im Hintergrund?
Lankau: Soft- und Hardwareanbieter sammeln diese Daten der Schülerinnen und Schüler und werten sie aus. Damit haben wir das erste Mal eine Technik, die die Lernprozesse kleinteilig mit jedem Mausklick und jeder Wischbewegung protokolliert und personalisiert. Die Kinder werden vermessen. Wie lange ist ihre Aufmerksamkeitsspanne, wann sind sie genervt, welche Aufgaben können sie gut lösen, welche nicht? So entstehen Lernprofile, über deren Verwendung wir uns bislang keine Gedanken gemacht haben.
BZ: Digitale Medien kommen aber später auch im Arbeitsleben zum Einsatz.
Lankau: Wir reden doch aber erst einmal von Grundschülern. Bis die arbeiten, hat sich die IT-Wirklichkeit in der Arbeitswelt wieder verändert. Bedienkompetenz lernen sie auch dann schnell.
BZ: Mit Lernsoftwares bekommen Kinder aller Bildungsschichten Zugang zu individueller Betreuung.
Lankau: Lernsoftware betreut nicht, sondern prüft Lernleistung nach standardisierten Schemata ab. Wenn ich als Lehrender Kinder an eine Lernstation setze, ist das vor allem die Verweigerung pädagogischer Arbeit und die Delegation der Verantwortung. Erzielt ein Kind nicht die erwünschte Leistung, ist es selbst für sein Scheitern verantwortlich. Diese Kinder werden dann vom Elternhaus betreut oder sie fallen durch das Raster. Die soziale Spaltung in der Bildung wird durch digitale Medien somit verstärkt. Und: Die Schule ist für manche Kinder der einzige Ort, wo sie überhaupt noch mit Büchern statt Bildschirmmedien in Berührung kommen.
BZ: Das heißt, digitale Lernmittel sollten gar nicht zum Einsatz kommen?
Lankau: Sie können in der Mittelstufe als Hilfsmittel eingesetzt werden, aber erst, wenn die Kinder über Medien reflektieren können. In der Grundschule macht das keinen Sinn.
BZ: Im Schulalltag sieht Digitalisierung oft so aus: Dokumentenkameras und Beamer ersetzten den Tageslichtprojektor. Anstelle der Tafel gibt es Whiteboards und einen PC. Zu den Schulbüchern gesellen sich Lernsoftwares. Technische Verbesserungen, nicht der Untergang der herkömmlichen Schulpädagogik.
Lankau: Technik entscheidet nie über die Qualität von Unterricht, sondern immer die Lehrkraft. Solange jeder Schüler, jede Schülerin, aber auch jede Lehrerin und jeder Lehrer selbst entscheiden darf, ob er lieber analog mit Buch oder mit einer Software arbeitet und solange die Daten nicht aufgezeichnet werden, ist es okay, wenn es in den Unterricht eingebunden ist.
BZ: Es möchte doch niemand, dass nur noch mit Lernapps gearbeitet wird.
Lankau: Darauf läuft das ganze Konzept aber hinaus. Wir sind in Phase eins: Lehrkräfte setzen Software ein. In der zweiten Phase übernehmen eLearning-Systeme aus dem Netz das Lehren komplett. Ein Lernprogramm dokumentiert die Leistungen. Die Lernbegleiter kommen nur zum Einsatz, wenn ein Kind nicht weiterkommt. Schüler werden gesehen wie Lernmaschinen und bekommen nur Hilfe, wenn etwas nicht funktioniert.
Alles vom 7.7.2017 bitte lesen auf
http://www.badische-zeitung.de/lahr/schueler-werden-gesehen-wie-lernmaschinen–138282490.html
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Ralf Lankau (55) ist Professor für Digitaldesign und Medientheorie an der Hochschule in Offenburg. Der Grafiker, Philologe und promovierte Kunstpädagoge setzt sich mit seinem Projekt futur iii für ein Umdenken bei der Digitalisierung der Schulen ein.
http://www.futur-iii.de

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