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Römische Philosophen aus Keramik in der Abendsonne am 2.8.2015

Römische Philosophen aus Keramik in der Abendsonne am 2.8.2015

 

Gesellschaft für kritische Philosophie
Die Gesellschaft für kritische Philosophie Nürnberg (GKPN) ist ein gemeinnütziger freidenkerisch-humanistischer Verein mit über 400 Mitgliedern im ganzen deutschsprachigen Raum sowie vereinzelt auch in Ländern anderer Erdteile (z.B. USA, Kanada, Hong Kong). Sie sieht sich in der Tradition der antiken sokratischen Philosophie, der Philosophie der Aufklärung sowie der modernen Philosophien des Wiener Kreises und des kritischen Rationalismus.

http://www.gkpn.de/
Ufuk Özbe ist Mitglied der GKPN

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Der Philosoph Peter Sloterdijk eröffnete die Vortragsreihe “Nach Gott” im Freiburger Theater.
Die sonntäglichen 11-Uhr-Veranstaltungen mit Großdenkerinnen und -denkern im Theater Freiburg waren immer gut besuchte Alternativgottesdienste für Agnostiker. Dass nun auch unter der Intendanz von Peter Carp das liebgewonnene Theoriehochamt wieder eingeführt wurde, hat die Diskursgemeinde per Abstimmung mit den Füßen eindeutig für gut befunden: Anders als viele Kirchen war das Große Haus rappelvoll. Es ist wohl zeitgemäßer, statt über Gott “Nach Gott. Über die Religion nach ihrer Entzauberung” zu reden, wie der Titel der vom Institut für Gegenwartsfragen kuratierten neuen Vortragsreihe lautet.
Eröffnungsgast war der Karlsruher Philosoph Peter Sloterdijk und hatte – es war nach seiner späten Ankunft zu knapp für einen Check gewesen – gleich Mikrofonprobleme. Offenbar hat es das Reden über Gott auch auf der Metaebene schwer, sich über mediales Rauschen hinweg Gehör zu verschaffen. Mit der Zeit wurde es besser oder die Ohren der Zuhörer spitzer, wobei die Lautstärke jedoch nie erlaubte, im andächtig-konzentrierten Lauschen nachzulassen. Das Bühnensetting verstärkte die akustisch erzwungene Andacht: Tisch und Stuhl, dazu die Ankündigung, dass es keine Diskussion geben werde, vermittelten eine sakrale Ex-cathedra-Stimmung, in der das Werbebanner vom kooperierenden SWR als einziges ornamentales Element schon fast wie ein konfessionelles Statement wirkte.
Sich dem Vortrag dergestalt über Äußerlichkeiten zu nähern, greift Sloterdijks Gedanken auf, dass Religion sich mit Homer als poetologisch-theatrales Verfahren aus dem reinen Kraftfeld der Naturgewalten löst. Die olympischen Götter waren anfangs im Grunde eine von poetischen Dilettanten fabulierte, schwerkraftbefreit über den Menschen schwebende Oligarchenclique. Sobald das antike Theater beginnt, deren Geschicke auf der Bühne zu verhandeln, wird ihre Herbeirufung zum technischen Problem. Mit welcher Maschinerie verhilft man Göttern zum standesgemäßen Auftritt?
Im Lauf der Zeit werden Zeus & Co. langsam zur Farce, ihre Rede zu unglaubwürdigem Promi-Geschwätz. Plato ruft sie im Namen des Guten zur Ordnung eines theologisch-therapeutischen Behandlungsprotokolls, trennt die homerische Dichtung von der Suche nach der Wahrheit. Ab da existieren Götter nur noch im Superlativ als die Höchsten, Weisesten, Gütigsten. Schamanen-Priester werden zu Dozenten. Aus diesem Programm lässt sich nur durch die behauptete Unmittelbarkeit von Offenbarungsreligionen wie dem Christentum aussteigen. Offenbarungsgötter sind wie Meteoriteneinschläge im Profanierungsprozess der Religionen, sorgen aber auch für ein Überangebot und mit der Möglichkeit zum Anbieterwechsel letztlich zu einer Religion ohne Gott. An diesem Punkt ließ Sloterdijk den neuen Fortschrittsgott der Singularität, diesen imaginären Moment, an dem Künstliche oder andere postmenschliche Intelligenz die Erde übernimmt, in der Verkleidung des ägyptischen Königgottes auftreten. Ein Pharao kreiste schon vor etlichen tausend Jahren als transhumane Singularität nur um sich selbst.
… Alles vom 7.5.2019 bitte lesen auf
https://www.badische-zeitung.de/kultur-sonstige/dichtung-und-wahrheit-x1x–172713799.html

 

 

Peter Sloterdijk: Der zentrale Denker Deutschlands
Er zählt zu den bedeutendsten, aber auch umstrittensten Denkern der Gegenwart. Unbestritten schreibt er das beste Deutsch seiner Gilde: Peter Sloterdijk. Michael Klonovsky besuchte den philosophischen Schriftsteller, wie er sich selbst nennt, vor knapp sechs Jahren auf Korsika und verfasste anschließend eine wunderbare Schilderung der Begegnung.
Es gibt einen Typus Mensch, mit dem verglichen sogar Supermodels oder Kanzlerkandidaten Dutzendwesen sind. „Das Universum scheint sich verschworen zu haben“, beschrieb der amerikanische Autor Henry Louis Mencken das Phänomen, „endlose Serien von Bauern oder Sozialisten hervorzubringen, aber starke und geheimnisvolle Widerstände bestehen seit Ewigkeiten gegen die Hervorbringung von Philosophen.“

Eine populäre Vorstellung will, dass man den Philosophen an gewissen Eigentümlichkeiten seines Äußeren identifizieren können müsse. Sloterdijk hat erklärt, ob jemand ein Philosoph ist, sei, wenn überhaupt, an seiner Physiognomie zu erkennen. Er selber wirkt immer ein bisschen wie von woanders her in die Gegenwart gefallen. In einen Tagebucheintrag beschreibt er sich als „unfrisierbaren Oger, den man gelegentlich in nächtlichen Fernsehsendungen gesehen hat“.

Der Bezug auf Nietzsche ist in Sloterdijks Werk virulent. Wer nach dem großen Umwerter lebe, hat er vor Jahren geschrieben, habe es leichter, denn er sei gewarnt „vor den drei unverzeihlichen Sündenfällen des Bewußtseins: vor Idealismus, Moralismus und Ressentiment“.
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Sein Buch „Weltfremdheit“ endet mit dem Bekenntnis zur „Pflicht, glücklich zu sein“. Sloterdijk hat kein Interesse an der modischen Demontage der abendländischen Tradition. Autoren, die erst zweitausend Jahre tot sind, betrachtet er nicht als überholt, sondern als Zeitgenossen, von deren Denken sich befruchten lassen zu dürfen ein Privileg ist.
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Das deutsche Steuersystem hat er als „Staats-Kleptokratie“ geschmäht, die zwanghafte deutsche Fixierung auf die Hitler-Jahre verdrießlich „das masopatriotische Syndrom“ genannt: „Es gibt bei uns offenbar ein Bedürfnis, die mentalen Gitterstäbe immer wieder zu justieren, hinter denen zu leben Unzählige beschlossen haben.“ Auch der universitäre Modebegriff „Gender“ kommt in seinem Werk nicht vor.

Überdies produziert er ständig exzellente Aphorismen: „Das Interesse an Kunst ist in der Regel nur das Sonntagsgesicht der Gier.“ – „In Frankreich bringt der Amoralismus einen eigenen Kitsch hervor.“ – „Die Linksparteien sind Klärwerke für Affekte, die bei guter Arbeit trübe Wut in helle Selbstachtung umwandeln.“ – „Der Philosophieprofessor ist an die Universität angepasst wie der Pinguin an die Antarktis.“

Dieser Artikel erschien (leicht gekürzt) in: Focus 41/2012, S. 124 ff. sowie auf dem sehr empfehlenswerten Blog von Michael Klonovsky, der nur so vor Gedanken, Ein- und Quersichten sprüht. Sollten Sie sich unbedingt öfters ansehen. Er erscheint hier mit freundlicher Genehmigung des geschätzten Autors und Blogbetreibers.
… Alles vom Michael Klonowsky vom 15.7.2018 zu “Unter den lebenden deutschen Geisteswissenschaftlern der einzige, den man mit Fug und Recht Philosoph nennen darf” bitte lesen auf
https://juergenfritz.com/2018/07/15/sloterdijk/
https://michael-klonovsky.de/acta-diurna
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Zum Autor: Michael Klonovsky, 1962 im Erzgebirge geboren, ist Romanautor und Publizist. Aufgewachsen in Ostberlin. Maurerlehre. Abitur. Seit 1990 Journalist. “Wächterpreis der Tagespresse” für die „Aufdeckung von Menschenrechtsverletzungen durch die DDR-Justiz und den Staatssicherheitsdienst“. 1992: Wechsel zum Focus, zunächst als Redakteur, später als Chef vom Dienst bzw. Textchef, Leiter des Debattenressorts, sodann als Autor. Am 31. Mai 2016 endete die Ehe mit Focus, die Partner hatten sich auseinandergelebt. Von Juni 2016 bis Anfang 2017 war er parteiloser Berater von Frauke Petry, von Juni bis November 2017 Sprecher der von Jörg Meuthen geführten Landtagsfraktion der AfD Baden-Württemberg. Michael Klonovsky ist Autor mehrerer Bücher.

 

 
Peter Sloterdisjk 70 Jahre
Der Philosoph Peter Sloterdijk ist ein Hüne in jeder Hinsicht. Von ihm kann man sich einiges abschauen. Eine persönliche Würdigung zum 70. Geburtstag.
Der Mann, der sich selbst als unfrisierten Oger bezeichnet, ist ein Hüne. Auf Bühnen und in Debatten aller Art verströmt Peter Sloterdijk die Aura des soliden In-sich-Ruhens. Bis vor kurzum trainierte er die Spannung, der sich solche Gelassenheit verdankt, auf ausgedehnten Fahrradtouren, wobei jede Tagesstrecke, jede Extrasteigung, jeder Zwischensprint im Tagebuch vermerkt wurde. Auch in geistiger Hinsicht ist Sloterdijks Erscheinung bemerkenswert. Als Autor hat er in den letzten gut dreissig Jahren ein Werk geschaffen, hinter dem man eine philosophische Factory vermuten muss. Entweder schuften ein Dutzend ehemalige Studenten für den Philosophen von Karlsruhe oder er verfügt über einen Einflüsterer, der niemals ruht. Sloterdijk, das darf man neidlos anerkennen, ist ein Denkathlet, dessen philosophische Essenz sich in den einen, von ihm geprägten Satz fassen lässt: Dasein heisst In-Form-Sein.
René Scheu, 26.6.2017
https://www.nzz.ch/feuilleton/zum-70-geburtstag-von-peter-sloterdijk-so-kommst-du-in-form-ld.1302784
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Peter Sloterdijk – Der unruhige Philosoph aus Karlsruhe
Peter Sloterdijk ist Gegenwartsbeobachter und Geschichtsüberflieger in einem. Wenn er die Jetztzeit mit der ihm eigenen Schärfe deutet, dann schöpft er aus 2500 Jahren Geistestradition. Darunter macht er es nicht. Der Denker aus Karlsruhe hat in den letzten 35 Jahren 40 Bücher publiziert und damit ein Opus geschaffen, das vielen Kollegen die Röte – oder Blässe – des Neides ins Gesicht treibt. Längst hat sein Werk die Welt erobert, auch jenseits des Atlantiks. Der «New Yorker», der sonst nicht durch besondere Germanophilie auffällt, hat Sloterdijk eben ein umfangreiches Porträt gewidmet. Der Sportsgeist des Philosophen ist derweil ungebrochen. Im Herbst erscheint der zweite Band seines Tagebuches «Zeilen und Tage» – 600 Seiten geballte (und witzige) Denk-Prosa.

 

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