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Römische Philosophen aus Keramik in der Abendsonne am 2.8.2015

Römische Philosophen aus Keramik in der Abendsonne am 2.8.2015

 

Gesellschaft für kritische Philosophie
Die Gesellschaft für kritische Philosophie Nürnberg (GKPN) ist ein gemeinnütziger freidenkerisch-humanistischer Verein mit über 400 Mitgliedern im ganzen deutschsprachigen Raum sowie vereinzelt auch in Ländern anderer Erdteile (z.B. USA, Kanada, Hong Kong). Sie sieht sich in der Tradition der antiken sokratischen Philosophie, der Philosophie der Aufklärung sowie der modernen Philosophien des Wiener Kreises und des kritischen Rationalismus.

http://www.gkpn.de/
Ufuk Özbe ist Mitglied der GKPN

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Quarantäne wegen Corona – was tun: Storytelling?

Kulturphilosoph Robert Harrison: «Es muss sich erst noch zeigen, was dieser Moment für uns alle gewesen sein wird – wird er uns radikal befreien oder für lange Zeit lähmen?»
Plötzlich kommt uns die Welt abhanden, und wir hängen zu Hause in der (Corona-)Quarantäne im grossen Nichts. Was hilft dagegen? René Scheu hat mit dem Kulturphilosophen Robert Harrison über das beste Antidot gesprochen: gutes altes Storytelling.

H: Ich spüre – wie wohl so mancher in diesen Tagen – eine ständige mentale und emotionale Anspannung, die auf die Dauer zugleich lähmend wirkt. Sie rührt von einer Grundstimmung der Angst – und ich denke, wir sollten hier wirklich das deutsche Wort in einem existenzialistischen Sinne verwenden. Wir spüren die Angst einerseits ganz konkret, sozusagen in jeder wachen Sekunde dieser verrückten Zeit, und zugleich bleibt sie – im Gegensatz zur Furcht – ganz diffus. Wovor haben wir eigentlich Angst? Nun ja, in der Angst kommt uns die Welt als solche, das Seiende als Ganzes abhanden. Martin Heidegger spricht davon, dass uns das grosse Ganze entgleite.
Für Heidegger ist die Angst aber zugleich eine fundamental wichtige Erfahrung: Der Mensch – das Dasein – ist plötzlich auf sich selbst zurückgeworfen. Das Dasein ist gezwungen, sich mit sich selbst zu konfrontieren und zu entscheiden, was es wirklich sein will – und was nicht.
H: Gewiss, das stimmt – aber es ist höchstens die halbe Wahrheit. Das geht mir in diesen Tagen auf. Diese frühe Analyse der Angst, auf die Sie anspielen und die Heidegger in «Sein und Zeit» leistet, verfährt noch idealisierend. Denn die Erfahrung, die wir nun alle machen, ist viel radikaler, sie greift tiefer ein in unser Verhältnis zur Welt, zu Mitmenschen und zu unserem eigenen Selbst. Es ist so, als würden wir bis in die letzte Faser unserer Existenz empfinden, dass wir in einer Art Nichts hängen – nicht nur die Welt kommt uns abhanden, auch wir selbst kommen uns abhanden. Wir schauen am Morgen in den Spiegel und sehen das Gesicht einer Person, die wir nicht wiedererkennen. Warten Sie, ich schaue einmal . . . (Harrison steht auf.)
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. . . wiederum die Bibliothek, Sie bewegen sich darin wie im Kreise Ihrer Freunde! Nach welchem Buch halten Sie Ausschau?
H: Es geht um den Aufsatz «Was ist Metaphysik?», Heideggers öffentliche Antrittsvorlesung, die er im Sommer 1929 in der Aula der Universität Freiburg im Breisgau gehalten hat. Ach ja, hier! (Harrison setzt sich wieder auf seinen Stuhl und nimmt einen Band zur Hand.) Ich lese kurz vor, in epischer Heideggerscher Diktion. Mir scheint, der Philosoph finde hier die treffenden Worte für eine Erfahrung, die uns nun alle verbindet: «Wir ‹schweben› in Angst. Deutlicher: die Angst lässt uns schweben, weil sie das Seiende im Ganzen zum Entgleiten bringt. Darin liegt, dass wir selbst – diese seienden Menschen – inmitten des Seienden uns mitentgleiten. Daher ist im Grunde nicht ‹dir› und ‹mir› unheimlich, sondern ‹einem› ist es so. Nur das reine Da-sein in der Durchschütterung dieses Schwebens, darin es sich an nichts halten kann, ist noch da.» Genau so ist es.
Heideggers pathetische und etwas verblasene Formulierungen gewinnen vor der gegenwärtigen Situation des Lebens in Quarantäne in der Tat eine ganz neue Dringlichkeit. Was wir verlieren, ist die öffentliche Welt mit ihren Institutionen, Räumen und Gesprächen.
H: Genau – es ist die Welt, in der wir ständig leben, ohne sie doch jemals als solche wahrzunehmen. Nun fällt sie weg, und wir können via Skype, Zoom oder Teams so viel kommunizieren, wie wir wollen, unser In-der-Welt-Sein lässt sich mit allen technischen Hilfsmitteln der Virtual Reality nicht wiederaufbauen. Vielleicht zum ersten Mal in unserem Leben realisieren wir, dass unsere Identität – unsere Selbstheit – wesenhaft an diese gemeinsam geteilte Welt gebunden ist und wir sie nicht aus eigener Kraft wiederherzustellen vermögen. Wir hängen also von anderen ab, wir hängen von einer menschengemachten Infrastruktur aus Institutionen, Räumen und Geschichten ab, und die unheimliche Erfahrung dieser Ohnmacht ist ziemlich einschneidend. Diese Erfahrung des reinen Da-seins, des reinen Existierens, die machen wir nun alle. Wir sitzen zu Hause, unsere Gedanken kreisen, wir werden wirklich fast verrückt.
Wir empfinden, dass wir da sind – und es auch nicht sein könnten. Das ist ein Moment der brutalen Wahrheit – und der dezidierten Unbestimmtheit.
H: Dieser Moment ist fast nicht auszuhalten, so wertvoll er auch für Einzelne sein mag. Wir sind nun jetzt alle zu Existenzialisten geworden, ob wir wollen oder nicht. Aber wir empfinden zunächst nur die Last. Es muss sich erst noch zeigen, was dieser Moment für uns alle gewesen sein wird – wird er uns radikal befreien oder für lange Zeit lähmen?
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Nun outen Sie sich aber als harscher Kulturkritiker. Heute benutzen die meisten doch ohnehin eine Tastatur oder sprechen gleich in ihr Smartphone – das ist easier und effizienter.
H: Ja, klar. Aber wer nicht mehr schreiben kann, kann womöglich auch nicht gut sprechen. Die sozialen Konversationen auch gebildeter, erfolgreicher Menschen im Silicon Valley sind von einer Armut, die mich immer wieder erschreckt. Natürlich, wenn es um einen Geschäftsabschluss geht, ist kein novellare erforderlich, obwohl es bestimmt auch umsatzfördernd wirkt. Aber dieselbe arme Sprache, die im Geschäftsbereich gilt, prägt längst auch den sozialen Alltag. Und dies macht uns ärmer. Wenn ich mit einem Tech-Unternehmer essen gehe und wir uns darüber austauschen, woher wir kommen und was wir hier tun, dann will ich von ihm eine Geschichte hören. Was uns an Menschen fasziniert, sind nicht die Tatsachen ihres Lebens, es sind die Geschichten, die sie über sich selbst erzählen!
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Und die Geschichten sterben aus?
H: Nein. Nur haben sie manche von uns outgesourct – sie schauen sich phantastische Netflix-Serien an, weil sie dieses menschliche Urbedürfnis befriedigen. Da sind Profis am Werk, keine Frage, und die wissen, wie man eine gute Geschichte gut erzählt. Die Kunst des novellare hat sich seit Boccaccio nicht verändert. Nun sitzen die Menschen also vor dem Bildschirm und konsumieren Geschichten, aber sie arbeiten selbst nicht mehr an ihren Geschichten. Und das macht ihr eigenes Leben garantiert ärmer.
Wenn wir dieselbe Netflix-Serie anschauen, können wir uns immerhin darüber austauschen und eine Community bilden.
H: Natürlich. Aber auch das müssen wir mit Eloquenz und Eleganz tun – wir selbst müssen zu den Geschichtenerzählern werden, diese Arbeit kann uns niemand abnehmen. Aber es ist die schönste Arbeit, die ich kenne.
Wir lernen, Geschichten zu erzählen, wenn wir Geschichten lesen.
H Lest! Lest! Lest! Lest Boccaccio. Er wird euer Leben verändern. Für Boccaccio sind Grosszügigkeit und Dankbarkeit die beiden grössten Tugenden: Sei dankbar für das, was du erhalten hast. Und reiche es mit derselben Grosszügigkeit weiter. Und genau so ist es: Literatur ist ein Geschenk, das nie aufhört, sich zu schenken. Warum sollten wir gerade jetzt, in der Quarantäne, nicht so klug sein, dieses Geschenk anzunehmen und so selbst zu Schenkenden zu werden?
… Alles vom 9.4.2020 bitte lesen auf
https://www.nzz.ch/feuilleton/coronavirus-und-boccaccio-geschichten-staerken-unser-immunsystem-ld.1550896?mktcid=nled&mktcval=124&kid=nma_2020-4-9&trco=
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Kommentare:
Storytelling zum Überleben
Menschen sind physische Wesen zum Anfassen. Da ist nichts Symbolisches dabei. Allerdings benötigen sie fürs Überleben Geschichten, wofür (genau!) gutes altes Storytelling dienlich ist. “Stories” also, in welchen sich Menschen “symbolisch” wiederfinden. Kann eine unheimliche Erfahrung sein, muss es aber nicht. In der Regel kommen dabei Welten nicht abhanden, sondern eröffnen sich Neue. Um das grosse Nichts z.B. in einer Quarantäne auszufüllen. Für Menschen, welche sich dessen nicht bewusst waren / sind, können “Stories” tatsächlich zu Lektionen fürs Leben mutieren. Wenn es das Aufkommen des Coronavirus dazu braucht, dann sei dem so. Denn gutes altes Storytelling ist beste Medizin, stärkt (genau!) die Immunabwehr und gehört zwingend in die Hausapotheke!
9.4.2020, W.M., NZO

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Robert Harrison ist Professor für italienische und französische Literatur an der Stanford University und Kulturphilosoph. Er zählt zu den besten Kennern der frühen italienischen Literatur. Seit 2007 ist er Mitglied der American Academy of Arts and Sciences. Auf Deutsch sind von ihm zuletzt die Bücher «Ewige Jugend. Eine Kulturgeschichte des Alterns» (Hanser, 2015) und «Gärten. Ein Versuch über das Wesen des Menschen» (Hanser, 2010) erschienen.

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Der Philosoph Peter Sloterdijk eröffnete die Vortragsreihe “Nach Gott” im Freiburger Theater.
Die sonntäglichen 11-Uhr-Veranstaltungen mit Großdenkerinnen und -denkern im Theater Freiburg waren immer gut besuchte Alternativgottesdienste für Agnostiker. Dass nun auch unter der Intendanz von Peter Carp das liebgewonnene Theoriehochamt wieder eingeführt wurde, hat die Diskursgemeinde per Abstimmung mit den Füßen eindeutig für gut befunden: Anders als viele Kirchen war das Große Haus rappelvoll. Es ist wohl zeitgemäßer, statt über Gott “Nach Gott. Über die Religion nach ihrer Entzauberung” zu reden, wie der Titel der vom Institut für Gegenwartsfragen kuratierten neuen Vortragsreihe lautet.
Eröffnungsgast war der Karlsruher Philosoph Peter Sloterdijk und hatte – es war nach seiner späten Ankunft zu knapp für einen Check gewesen – gleich Mikrofonprobleme. Offenbar hat es das Reden über Gott auch auf der Metaebene schwer, sich über mediales Rauschen hinweg Gehör zu verschaffen. Mit der Zeit wurde es besser oder die Ohren der Zuhörer spitzer, wobei die Lautstärke jedoch nie erlaubte, im andächtig-konzentrierten Lauschen nachzulassen. Das Bühnensetting verstärkte die akustisch erzwungene Andacht: Tisch und Stuhl, dazu die Ankündigung, dass es keine Diskussion geben werde, vermittelten eine sakrale Ex-cathedra-Stimmung, in der das Werbebanner vom kooperierenden SWR als einziges ornamentales Element schon fast wie ein konfessionelles Statement wirkte.
Sich dem Vortrag dergestalt über Äußerlichkeiten zu nähern, greift Sloterdijks Gedanken auf, dass Religion sich mit Homer als poetologisch-theatrales Verfahren aus dem reinen Kraftfeld der Naturgewalten löst. Die olympischen Götter waren anfangs im Grunde eine von poetischen Dilettanten fabulierte, schwerkraftbefreit über den Menschen schwebende Oligarchenclique. Sobald das antike Theater beginnt, deren Geschicke auf der Bühne zu verhandeln, wird ihre Herbeirufung zum technischen Problem. Mit welcher Maschinerie verhilft man Göttern zum standesgemäßen Auftritt?
Im Lauf der Zeit werden Zeus & Co. langsam zur Farce, ihre Rede zu unglaubwürdigem Promi-Geschwätz. Plato ruft sie im Namen des Guten zur Ordnung eines theologisch-therapeutischen Behandlungsprotokolls, trennt die homerische Dichtung von der Suche nach der Wahrheit. Ab da existieren Götter nur noch im Superlativ als die Höchsten, Weisesten, Gütigsten. Schamanen-Priester werden zu Dozenten. Aus diesem Programm lässt sich nur durch die behauptete Unmittelbarkeit von Offenbarungsreligionen wie dem Christentum aussteigen. Offenbarungsgötter sind wie Meteoriteneinschläge im Profanierungsprozess der Religionen, sorgen aber auch für ein Überangebot und mit der Möglichkeit zum Anbieterwechsel letztlich zu einer Religion ohne Gott. An diesem Punkt ließ Sloterdijk den neuen Fortschrittsgott der Singularität, diesen imaginären Moment, an dem Künstliche oder andere postmenschliche Intelligenz die Erde übernimmt, in der Verkleidung des ägyptischen Königgottes auftreten. Ein Pharao kreiste schon vor etlichen tausend Jahren als transhumane Singularität nur um sich selbst.
… Alles vom 7.5.2019 bitte lesen auf
https://www.badische-zeitung.de/kultur-sonstige/dichtung-und-wahrheit-x1x–172713799.html

 

 

Peter Sloterdijk: Der zentrale Denker Deutschlands
Er zählt zu den bedeutendsten, aber auch umstrittensten Denkern der Gegenwart. Unbestritten schreibt er das beste Deutsch seiner Gilde: Peter Sloterdijk. Michael Klonovsky besuchte den philosophischen Schriftsteller, wie er sich selbst nennt, vor knapp sechs Jahren auf Korsika und verfasste anschließend eine wunderbare Schilderung der Begegnung.
Es gibt einen Typus Mensch, mit dem verglichen sogar Supermodels oder Kanzlerkandidaten Dutzendwesen sind. „Das Universum scheint sich verschworen zu haben“, beschrieb der amerikanische Autor Henry Louis Mencken das Phänomen, „endlose Serien von Bauern oder Sozialisten hervorzubringen, aber starke und geheimnisvolle Widerstände bestehen seit Ewigkeiten gegen die Hervorbringung von Philosophen.“

Eine populäre Vorstellung will, dass man den Philosophen an gewissen Eigentümlichkeiten seines Äußeren identifizieren können müsse. Sloterdijk hat erklärt, ob jemand ein Philosoph ist, sei, wenn überhaupt, an seiner Physiognomie zu erkennen. Er selber wirkt immer ein bisschen wie von woanders her in die Gegenwart gefallen. In einen Tagebucheintrag beschreibt er sich als „unfrisierbaren Oger, den man gelegentlich in nächtlichen Fernsehsendungen gesehen hat“.

Der Bezug auf Nietzsche ist in Sloterdijks Werk virulent. Wer nach dem großen Umwerter lebe, hat er vor Jahren geschrieben, habe es leichter, denn er sei gewarnt „vor den drei unverzeihlichen Sündenfällen des Bewußtseins: vor Idealismus, Moralismus und Ressentiment“.
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Sein Buch „Weltfremdheit“ endet mit dem Bekenntnis zur „Pflicht, glücklich zu sein“. Sloterdijk hat kein Interesse an der modischen Demontage der abendländischen Tradition. Autoren, die erst zweitausend Jahre tot sind, betrachtet er nicht als überholt, sondern als Zeitgenossen, von deren Denken sich befruchten lassen zu dürfen ein Privileg ist.
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Das deutsche Steuersystem hat er als „Staats-Kleptokratie“ geschmäht, die zwanghafte deutsche Fixierung auf die Hitler-Jahre verdrießlich „das masopatriotische Syndrom“ genannt: „Es gibt bei uns offenbar ein Bedürfnis, die mentalen Gitterstäbe immer wieder zu justieren, hinter denen zu leben Unzählige beschlossen haben.“ Auch der universitäre Modebegriff „Gender“ kommt in seinem Werk nicht vor.

Überdies produziert er ständig exzellente Aphorismen: „Das Interesse an Kunst ist in der Regel nur das Sonntagsgesicht der Gier.“ – „In Frankreich bringt der Amoralismus einen eigenen Kitsch hervor.“ – „Die Linksparteien sind Klärwerke für Affekte, die bei guter Arbeit trübe Wut in helle Selbstachtung umwandeln.“ – „Der Philosophieprofessor ist an die Universität angepasst wie der Pinguin an die Antarktis.“

Dieser Artikel erschien (leicht gekürzt) in: Focus 41/2012, S. 124 ff. sowie auf dem sehr empfehlenswerten Blog von Michael Klonovsky, der nur so vor Gedanken, Ein- und Quersichten sprüht. Sollten Sie sich unbedingt öfters ansehen. Er erscheint hier mit freundlicher Genehmigung des geschätzten Autors und Blogbetreibers.
… Alles vom Michael Klonowsky vom 15.7.2018 zu “Unter den lebenden deutschen Geisteswissenschaftlern der einzige, den man mit Fug und Recht Philosoph nennen darf” bitte lesen auf
https://juergenfritz.com/2018/07/15/sloterdijk/
https://michael-klonovsky.de/acta-diurna
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Zum Autor: Michael Klonovsky, 1962 im Erzgebirge geboren, ist Romanautor und Publizist. Aufgewachsen in Ostberlin. Maurerlehre. Abitur. Seit 1990 Journalist. “Wächterpreis der Tagespresse” für die „Aufdeckung von Menschenrechtsverletzungen durch die DDR-Justiz und den Staatssicherheitsdienst“. 1992: Wechsel zum Focus, zunächst als Redakteur, später als Chef vom Dienst bzw. Textchef, Leiter des Debattenressorts, sodann als Autor. Am 31. Mai 2016 endete die Ehe mit Focus, die Partner hatten sich auseinandergelebt. Von Juni 2016 bis Anfang 2017 war er parteiloser Berater von Frauke Petry, von Juni bis November 2017 Sprecher der von Jörg Meuthen geführten Landtagsfraktion der AfD Baden-Württemberg. Michael Klonovsky ist Autor mehrerer Bücher.
Peter Sloterdisjk 70 Jahre
Der Philosoph Peter Sloterdijk ist ein Hüne in jeder Hinsicht. Von ihm kann man sich einiges abschauen. Eine persönliche Würdigung zum 70. Geburtstag.
Der Mann, der sich selbst als unfrisierten Oger bezeichnet, ist ein Hüne. Auf Bühnen und in Debatten aller Art verströmt Peter Sloterdijk die Aura des soliden In-sich-Ruhens. Bis vor kurzum trainierte er die Spannung, der sich solche Gelassenheit verdankt, auf ausgedehnten Fahrradtouren, wobei jede Tagesstrecke, jede Extrasteigung, jeder Zwischensprint im Tagebuch vermerkt wurde. Auch in geistiger Hinsicht ist Sloterdijks Erscheinung bemerkenswert. Als Autor hat er in den letzten gut dreissig Jahren ein Werk geschaffen, hinter dem man eine philosophische Factory vermuten muss. Entweder schuften ein Dutzend ehemalige Studenten für den Philosophen von Karlsruhe oder er verfügt über einen Einflüsterer, der niemals ruht. Sloterdijk, das darf man neidlos anerkennen, ist ein Denkathlet, dessen philosophische Essenz sich in den einen, von ihm geprägten Satz fassen lässt: Dasein heisst In-Form-Sein.
René Scheu, 26.6.2017
https://www.nzz.ch/feuilleton/zum-70-geburtstag-von-peter-sloterdijk-so-kommst-du-in-form-ld.1302784
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Peter Sloterdijk – Der unruhige Philosoph aus Karlsruhe
Peter Sloterdijk ist Gegenwartsbeobachter und Geschichtsüberflieger in einem. Wenn er die Jetztzeit mit der ihm eigenen Schärfe deutet, dann schöpft er aus 2500 Jahren Geistestradition. Darunter macht er es nicht. Der Denker aus Karlsruhe hat in den letzten 35 Jahren 40 Bücher publiziert und damit ein Opus geschaffen, das vielen Kollegen die Röte – oder Blässe – des Neides ins Gesicht treibt. Längst hat sein Werk die Welt erobert, auch jenseits des Atlantiks. Der «New Yorker», der sonst nicht durch besondere Germanophilie auffällt, hat Sloterdijk eben ein umfangreiches Porträt gewidmet. Der Sportsgeist des Philosophen ist derweil ungebrochen. Im Herbst erscheint der zweite Band seines Tagebuches «Zeilen und Tage» – 600 Seiten geballte (und witzige) Denk-Prosa.

 

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