Holocaust-Education

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Gregor haucht gewaltfrei die Weisheit ein Mitte Juli 2012 – umgeben von Stockrosen

 

 Holocaust-Education als Teil der Erinnerungskultur

Israelische Soldaten am Eingang zum Gedenkort Yad Vashem am 11.11.2013

Israelische Soldaten am Eingang zum Gedenkort Yad Vashem am 11.11.2013

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Holocaust-Gedenken: Von der Unmöglichkeit des Erinnerns
Zum 75. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz nimmt das Erinnern kein Ende. Unser Gastautor ist selbst Jude. Ihn nervt die zur Schau gestellte Betroffenheit allmählich. Er fragt: Was bringt es, der Toten zu gedenken, wenn einem die lebenden Juden egal sind?
Wenn Juden das Volk des Buches sind, ist Deutschland dieser Tage das Volk der Worte. Bekenntnisse über Bekenntnisse, Rituale über Rituale. Die Kollektivübung scheint darin zu bestehen, das Unfassbare zu vermessen, das Unmögliche auszudrücken – weniger das Verbrechen, mehr die eigene Betroffenheit. Manches hat mit Schuld und Scham zu tun. Manches mit einer Pflichtübung. Und manches auch mit dem kollektiven, fast erotischen Verlangen, eine Beziehung zu der historischen Monstrosität aufzubauen.

Es ist eine unmögliche Aufgabe, Erinnerung durch Worte wach zu halten. Nicht weil es dafür viel zu wenig Worte gibt, sondern weil viel zu viele Wörter gesprochen werden. Und so werden Worte zu Wörtern – in nur einer Woche haben sie den Holocaust zerredet. Sogar die Geschichten der Einzelnen klingen hohl, wenn sie von allen Bühnen der Welt wiederholt werden.

Wenn jeder Politiker, jede Reportage auch nur eine Geschichte erzählt, erinnert sie würdevoll an ein Opfer.
https://www.cicero.de/aussenpolitik/auschwitz-jahrestag-befreiung-ueberlebende-altenheim-israel-haifa-schoschanna-kolmer
Doch zugleich wird das Persönliche massenhaft durch die schiere Zahl der Geschichten – sechs Millionen Einzelleben sind eben sehr sehr viel. Die Unmöglichkeit unserer Erinnerungsaufgabe steckt in der Übergröße des Verbrechens. Sollen wir deswegen aufhören, uns zu erinnern? Selbstverständlich nicht! Doch sollen wir deswegen darüber hinwegsehen, dass diese offizielle Erinnerung immer pathetischer, immer ermüdender wirkt? Auch das wäre ein falscher Weg!

Vor allem geht es darum, die Erinnerung ins Heute zu bringen: Es geht in erster Linie um klare Erinnerungs- und Antisemitismusbildung. Es geht darum, jüdische Menschen in Deutschland und in Europa zu schützen, die verschiedenen Formen des Antisemitismus ernst zu nehmen. Es geht darum, anzuerkennen, dass der Judenhass sich nicht nur in der alten Form des Nationalsozialismus wiederholt, sondern in anderen Formen – von übertriebener Israel-Kritik bis hin zur stereotypen und obsessiven Finanzkapitalkritik und Verschwörungstheorien.
https://www.deutschlandfunkkultur.de/juden-als-feindbild-die-geschichte-des-mythos-der.976.de.html?dram:article_id=433837
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In Schulcurricula brauchen wir mehr Informationen über das heutige jüdische Leben. Das ist die beste aktive Erinnerung an die Toten und ein offener und direkter Beziehungsaufbau zu ihren Nachfahren. Es ist wichtig, dass jüdisches Leben ganz selbstverständlich, religiös und säkular, bunt und vielfältig erfahrbar gemacht wird. Entweder durch einen Kontakt wo möglich oder durch Schulbildung, wo es kein jüdisches Leben gibt. Es bringt nichts, der Toten zu gedenken, wenn einem die lebenden Juden gleichgültig sind.
… Alles vom 28.1.2020 bitte lesen auf
https://www.cicero.de/innenpolitik/holocaust-gedenkveranstaltungen-juden-antisemitismus-rituale

41% des erlebten Antisemitismus geht von Muslimen aus
Ein guter Artikel, aber das Ende wirft Fragen auf. Der Autor traut sich tatsächlich nicht, vom glaubensgesteuerten, zugewanderten Hass zu sprechen. Und das, obwohl er zu Recht Authentizität einfordert. Das Leben unserer jüdischen Mitbürger wird auch dann ignoriert, wenn man unter den Tisch kehrt, dass 41% des erlebten Antisemitismus von Muslimen ausgeht und 20% von Rechtsextremen.(Umfrage der EU-Grundrechteagentur 12/2018). Es gehört zur Verantwortung, die ganze Wahrheit anzusprechen.
28.1.2020, H.B., CO
Instrumentalisierung eines Großverbrechens:
Erinnerung an den Holocaust sollte historisch nüchterner erfolgen

Die Neurose heilen
von Thorsten Hinz
Trauer, Opfergedenken und historische Forschung bilden nur einen Teil des Auschwitz und Holocaust-Diskurses. Außerdem ist er ein Schlachtfeld, auf dem um Deutungshoheit, also um Macht gerungen wird. Es geht um Geschichtsund Realpolitik, um normative, emotionale, transzendente Bedürfnisse in einer unübersichtlichen und gründlich entzauberten Welt. Wer die Rede über Auschwitz deniert, der verfügt national wie international über eine politische und geistig-kulturelle Machtressource. Vor genau 20 Jahren fand in Stockholm eine Internationale Holocaust-Konferenz unter Beteiligung von Staats- und Regierungschefs und des Uno-Generalsekretärs statt. In der verabschiedeten Erklärung heißt es: „Der beispiellose Charakter des Holocaust wird immer universelle Bedeutung behalten“ und müsse „in unserem kollektiven Gedächtnis für immer eingebrannt sein“. Daraus abgeleitet wurde die „moralische Verpflichtung unserer Völker und die politische Verpflichtung unserer Regierungen“ zum Kampf gegen „Rassismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit“. Als zentrale Aufgabe hervorgehoben wurde die politische Bildung der Jugend.
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Die sogenannte „Holocaust Education“ ist ein offizielles Projekt der Unesco. Sie verfolgt das Ziel, „Lernende mit Wissen, Kompetenzen und Handlungsoptionen auszustatten, um zu kritischem Denken zu befähigen und verantwortungsvolle Weltbürger hervorzubringen, welche die Menschenwürde achten sowie Vorurteile und Ausgrenzung – die in Gewalt und Völkermord münden können – ablehnen“. An die „Holocaust Education“ schließt die „Global Citizenship Education“ an. So heißt die politische Bildung im globalen Maßstab. Durch sie sollen „Lernende (…) in die Lage versetzt werden, ein Zugehörigkeitsgefühl zur Weltgemeinschaft zu entwickeln, sich zu engagieren und eine aktive Rolle in der Gesellschaft zu übernehmen, um einen Beitrag zu leisten zu einer friedlichen, gerechten Welt, in der ökologische Ressourcen bewahrt werden“.
Anläßlich des 75. Jahrestags der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz veranstaltet die Unesco an ihrem Hauptsitz in Paris einen Gedenkakt, zwei Ausstellungen und eine Konferenz, in der über Mittel und Wege diskutiert wird, die Erinnerung an den Holocaust dauerhaft im „kollektiven Gedächtnis“ zu xieren. Was an den Deklarationen, Beschlüssen und Projektbeschreibungen immer wieder besticht, ist das Neben- respektive Ineinander von bürokratischer und sakraler Sprache. Der suggestive Rekurs auf den Holocaust verleiht den administrativen Planungen, Normierungen und Anweisungen den Anschein höherer Weihen, einer geheiligten Aura, die ihre Evidenz in sich selbst trägt und die anzuzweifeln sittenwidrig wäre, weil sie etwas unzweifelhaft Gutes transportiert. Die philosophische Basis für das thetorische Verfahren schuf Hannah Arendt durch die Umdeutung des Kantschen „radikal Bösen“.
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Bei Kant bezeichnet der Begriff den „verderbten Hang im Menschen“, ein „radikales, angebornes (…) Böses in der menschlichen Natur“, das ihn dazu verführe, „gesetzwidrigen Maximen“ zu folgen, obwohl er sich „des moralischen Gesetzes bewußt“ sei. Es handelt sich gleichsam um eine anthropologische Konstante.
Nach Arendt hat der Mord an den europäischen Juden (allerdings auch der GuLag) dagegen ein nach menschlichen Maßstäben „Unmögliches möglich“ gemacht und ein „unbestrafbares, unverzeihlich radikal Böses“ ans Licht gebracht, „das man weder verstehen noch erklären kann durch die bösen Motive von Eigennutz, Habgier, Neid, Machtgier, Ressentiment, Feigheit“ usw., weshalb darauf „alle menschlichen Reaktionen gleich machtlos sind“. Arendts Beschreibung zielt auf das, was Kant „eine ohne alle Gesetze wirkende Ursache“ nennt, die Epiphanie „einer gleichsam boshaften Vernunft (ein schlechthin böser Wille)“, in welcher „der Widerstreit gegen das Gesetz selbst zur Triebfeder (…) erhoben, und so das Subjekt zu einem teuflischen Wesen gemacht würde“. Das aber sei, so Kant, auf den Menschen gar nicht anwendbar. Was Arendt formuliert, ist demnach kein „radikal“, sondern ein außermenschliches, ein „absolut Böses“. Sie schrieb dem historischen Faktum des Judenmords eine metaphysische Dimension zu, die letztlich über ein religiöses Potential verfügt. Zumindest wird diese Schlußfolgerung häufig gezogen.
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„Auschwitz kann weder erklärt werden, noch kann man es sich vorstellen (…) Der Holocaust steht außerhalb der Geschichte“, meinte Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel.
So sah es auch Claude Lanzmann, Regisseur des Films „Shoa“, der für ein Bilderverbot eintrat und in Steven Spielbergs „Schindlers Liste“ und Roberto Benignis „Das Leben ist schön“ eine Blasphemie erblickte.
Der Historiker Dan Diner, der den Begriff „Zivilisationsbruch“ geprägt hat, findet den Holocaust „gleichsam aus seiner geschichtlichen Verankerung herausgerissen“, weil er „ganz jenseits von Konflikt, Gegnerschaft oder politischer Feindschaft“ erfolgt sei. „Nicht nur das sakral imprägnierte, auch ein historisch informiertes Vorstellungsvermögen glitt an dem alle vorausgegangene Erfahrung dementierenden Geschehen ab“, so daß „semantische Welten in sich zusammen(brechen)“.
Der Literaturprofessor Geoffrey Hartman, Mitbegründer eines Video-Archivs zum Holocaust, befand, daß er „von entscheidenderer Bedeutung ist als ein Erscheinen Gottes“.
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Ernst Nolte erblickte in solchen esen und Ausdeutungen die Neigung, ein geschichtliches Ereignis als „Numinosum“, als schaurig-göttliche Erscheinung zu behandeln, dem man sich nur in religiöser Demut, nicht aber mit dem Anspruch des Wissenschaftlers nähern dürfe. Der Versuch, die durch den Holocaust unmittelbar ausgelösten „Emotionen auf die Nachlebenden zu übertragen“, käme dem einer neuen Religionsstiftung gleich. Er hielt dagegen, daß „noch die unmenschlichste Tat im anthropologischen Sinne ‘menschlich’ ist“ und „daß alle menschlichen Phänomene in Relation zu anderen Phänomenen stehen, daß sie aus diesen Beziehungen heraus verstehbar sein müssen“. Im Holocaust realisiere sich der „Begriff Kants von der ‘Verderbtheit’“, weshalb er „als das radikal Böse gelten“ müsse, wohingegen ein „absolutes Böses“ sich nur durch die „Ausblendung der Zusammenhänge“ konstruieren ließe. Er stünde im historischen Kontext des Europäischen Bürgerkriegs zwischen 1917 und 1945 und der vom Bolschewismus ausgehenden Vernichtungsdrohung. Nolte historisierte den Holocaust, indem er ihn in ein transnationales Interaktionssystem stellte. Das wurde als unverzeihliches Skandalon wahrgenommen und machte ihn dauerhaft zur Unperson. Das war ein Lehrstück.
Jedenfalls stellt die umfangreiche Holocaust-Forschung den sakralen Diskurs nicht in Frage. Dieses „Framing“ kommt neben politischen Interessen einem menschlichen Bedürfnis entgegen. An den Umständen irre gewordene Individuen und Gesellschaften, die sich als Kontrastfiguren zu einem „absolut Bösen“ definieren, finden als Streitmacht des „absolut Guten“ zu neuer Gewißheit und Stärke. In solcher zwanghaften Fixierung liegt neben der Instrumentalisierung eines Großverbrechens die Gefahr, erst recht die innere Freiheit zu verlieren. Daraus folgen Realitätsverlust, eine exzessive Gesinnungsethik und Selbstermächtigung, die zur Angleichung an das führen kann, was man zu bekämpfen meint. Ein diesjähriger Preisträger, der vom Internationalen Auschwitzkomitee mit der „Gabe der Erinnerung“ geehrt wurde, weil er „mit Mut, Kreativität und Lebensfreude antisemitischem und rechtsextremem Haß entgegen(tritt) und (…) die Werte der Demokratie“ verteidigt, hatte zuvor über Twitter verkündet, die AfD bestehe „aus Menschen, die ihr Menschsein verwirkt haben“.
Das Auschwitz-Mantra wird herangezogen, die dysfunktionale und teilweise rechtswidrige Migrationspolitik zu legitimieren. Staatliche Maßnahmen und Gesetze fördern die Neigung, Einwände und Gegenargumente mit dem Vorwurf der „Volksverhetzung“ zu unterdrücken. Die Versuche, Auschwitz als Gründungsmythos für ein vereintes Europa zu implementieren, stellen daher eher eine Drohung als ein humanes Versprechen dar. Die Erwartung schließlich, ausgehend von Europa und dem Westen die ganze Welt mit der „Holocaust Education“ zivilreligiös zu missionieren, wurde schwer enttäuscht.
Stattdessen erlebte die Hypermoral ihren Durchmarsch und wurden die äußeren Abwehrkräfte der europäischen Staaten unterminiert. Mit dem Ergebnis, daß sich ausgerechnet die direkten Erben der Holocaust-Opfer am stärksten durch die Massenzuwanderung bedroht sehen.
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Die Zivilgesellschaft, die sich im Zeichen von Auschwitz formiert hat, kann die Schwäche des Staates nicht ausgleichen. In Bewährungssituationen erweist sie sich als Versammlung von Mitläufern, die sich den neuen Kräfteverhältnissen bis hin zur Selbstverleugnung und zum Selbsthaß anpassen. Um die Neurose zu heilen, müßte die Emanzipation vom quasi-religiösen Schauder zugunsten historischer Nüchternheit erfolgen und die besitzergreifende Erinnerung an den Holocaust in eine distanzierte überführt werden. Andernfalls wird sie für die europäische und ganze westliche Welt zum Schwarzen Loch.
24.1.2020, Thorsten Hinz, Junge Freiheit 5/20, Seite 15

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Zerrüttete deutsche Erinnerungskultur – 3.Reich ja, DDR nein

An „rechts“ mahnend erinnern, gilt als nationale Pflicht. An „links“ erinnern ist nicht nötig, da gibt´s nichts zu mahnen

Die neue „bürgerliche Freiheit“, die wir nach dem Zweiten Weltkrieg genießen durften, ist aber inzwischen an ihr Ende gelangt. Eben jene geistigen Umerzieher, die ihre gesamte „Bildung“ aus der „Frankfurter Schule“ bezogen haben und noch beziehen, treibt unsere Gesellschaft in Unruhe und Unfrieden. Hübsch säuberlich unterschieden werden die „politisch Korrekten“ (die „wahren Demokraten“) von den politisch Unkorrekten (den „Faschisten“), die sich dem Meinungszwang widersetzen. Da nicht sein kann, was nicht sein darf, denkt sich die neue Meinungskaste fast täglich neue Umerziehungsmaßnahmen aus. So werden z.B. Adresslisten unbotmäßiger Blogger und Journalisten eingerichtet (und ins Netz gestellt) oder wird mit hohen Geldstrafen bedroht – und sanktioniert – wer sich der neuen Führung nicht unterwirft.
Schüler, meist noch unreif, die Tragweiten ihres Handelns zu erkennen, werden gegen den nationalen Konsens aufgestachelt und zu Protesten verführt – zum Preis des Schulschwänzens. Lehrer, Professoren usw. werden boykottiert und/oder öffentlich angeprangert. Attentate auf sie werden verharmlost, während der Anrempler eines „Rechten“ gegen einen Linksfaschisten fast wie ein Mordversuch dargestellt wird.
Man könnte darüber hinweggehen, wenn nicht das gesellschaftliche Klima mehr und mehr so zerstört würde, dass diese unsere Gemeinschaft auseinanderbrechen und sich feindlich gegenüberstehen wird.
Wir haben unsere Kultur vergessen und wollen uns auch nicht erinnern. Erinnern dürfen wir uns inzwischen nur an die Untaten des III. Reiches. Kaum eine deutsche Stadt, in der nicht wenigstens 1 Mahnmal oder eine Gedenktafel an die Opfer des Nationalsozialismus bzw. des Faschismus erinnern. An die Opfer des Internationalsozialismus darf man bald nicht mehr erinnern – als hätte es Mauertote, Stasi und Stacheldraht nie gegeben. Die heutigen Internationalsozialisten sind Gutmenschen, denen es gelungen ist, sich vom faschistischen Erbe unserer Nation selbst freizustellen, und denen es damit zu gelingen scheint, alle „Linken“ als Gutmenschen“ und alle Nicht-Linken als Neu-Faschisten hinzustellen. Die neuen Konfliktlinien in der innerdeutschen Diskussion sind dementsprechend klar auszumachen. Es geht insbesondere um die Erhaltung und Pflege bestehender Gedenkeinrichtungen. Bestand politischer Konsens ursprünglich gewiss darin, das bestehende Konzept für die historischen Gedenkstätten in Ost und West in Bezug auf die nationalsozialistischen wie auch die stalinistischen Gewaltopfer weiterzuentwickeln, ist heute der Konsens darüber zerbrochen.
Das Problem hat einen Namen: Relativierung
Was am NSDAP-Regime schlimm und verurteilenswert ist, verlangt – so das Ergebnis der Relativierung – andere Maßstäbe als die Bewertung des SED-Regimes. So ist es nur konsequent, dass die Mahnmale des Dritten Reiches gepflegt, aber die Mahnmale an die Linksfaschisten der untergegangenen (?) DDR-Diktatur zunehmend geschleift werden.
Gedenkstätte Frauengefängnis Hoheneck soll verschwinden.

…. Alles vom 17.3.2019 von Peter Helmes bitte lesen auf
https://conservo.wordpress.com/2019/03/17/zerruettete-deutsche-erinnerungskultur/

 

Deborah Feldman kritisiert deutsche Erinnerungskultur
Die Autorin Deborah Feldman ist eine vernehmbare Stimme der jüngeren Generation von Juden in Deutschland. Die Diskussion um den neuen Antisemitismus hält sie für übertrieben. Die deutsche Erinnerungskultur betrachtet sie kritisch.
Deborah Feldman, Sie sind vor zehn Jahren der orthodoxen Gemeinschaft der Satmarer Chassidim in Williamsburg, New York, entflohen. Hatte Ihre Flucht Vorbildcharakter für andere? …
Anfang der 2000er Jahre gab es plötzlich Smartphones, die waren sehr schwierig zu kontrollieren. Die Leute hatten plötzlich Zugang zu Google. Sie konnten dort eintippen: «Google, gibt es Gott?», und Google hat gesagt: «Vielleicht»; «Jein»; «Schau dir mal die Antworten anderer an».

Warum haben Sie (in Berlin) den deutschen Pass beantragt?
Ein Freund hat mir das 2014 empfohlen, damit ich einen europäischen Pass habe. Das war damals rein strategisch. Und ich dachte mir, stimmt, ich habe deutsche Vorfahren, ich mache das. Im Zuge dieses Verfahrens musste ich entdecken, dass es ein grosses Familiengeheimnis gab, nämlich dass mein Urgrossvater, von dem ich dachte, er sei ein ganz normaler deutscher Jude gewesen, tatsächlich ein uneheliches Kind eines deutschen Katholiken war. Der hat inbrünstig versucht, die deutsche Staatsangehörigkeit zu erlangen, und das hat – aus antisemitischen Gründen – nicht geklappt. Das hat er nie überwunden. Und mir war es nun irgendwie wichtig, für ihn diese Staatsangehörigkeit zu erwerben, sie an seiner Stelle zu bekommen.
Sie haben hier eine Heimat gefunden?
Es war auch das Gefühl, dass man seine Wurzeln wieder findet in diesem Land, das von meinen Vorfahren einmal verlassen werden musste. Im Zusammenhang mit der Geschichte der Mutter meines Urgrossvaters wurde mir klar, wie viele Juden, die aus dem Schtetl flohen, während der Aufklärungszeit nach Berlin gekommen sind, um da in Freiheit zu leben. Ich hatte mich sowieso schon in dieser Tradition gesehen: Ich bin jetzt aus dem Schtetl geflohen und bin in die Stadt der Aufklärung gekommen. Das hat mir erst einmal das Gefühl gegeben, dass ich hier richtig bin. Und ich kann mir nicht vorstellen, Berlin zu verlassen.

Sind Sie der Meinung, dass die Deutschen mit ihrer Erinnerungskultur sich von ihrer Schuld befreien wollen?
Nein, das ist für mich nicht relevant, weil das alles so abstrakte Argumente sind. Was mich sehr stört, ist diese Erinnerungskultur von oben herab, es ist von oben herab aufgezwungen. Es gibt eine öffentliche kollektive Erinnerungskultur, bei der es keinen Platz für das Individuum gibt.

Was halten Sie von Max Czolleks Forderung, sich als Jude heute in Deutschland zu desintegrieren?
Er hat eine bewundernswerte Haltung. Aber ich bin natürlich als ein Kind der Aufklärung anderer Meinung, stehe eher in der Tradition von Hannah Arendt: Integriert euch, ändern wir die Gesellschaft. Was mich an Czollek beeindruckt hat, ist diese Aussage, die er macht, und die ist ja nicht neu. Es gibt eine ganz alte Tradition im Judentum, die sagt: Vermengt euch nicht, integriert euch nicht. Das beruht auf dem Mythos der Diaspora, die begründet ist in einer Geschichte, wonach die Juden nach der Zerstörung des zweiten Tempels ins Exil vertrieben wurden. Und dann kam Gott und sagte: «Ich werde einen dritten, einen ewigen Tempel aufbauen, aber dafür müsst ihr drei Dinge schwören: Ihr werdet nie das Land zurückerobern, ihr werdet euch immer bedingungslos im Exil unterwerfen und ihr werdet euch immer von den fremden Völkern unterscheiden.» Die ganze Geschichte der Juden in der Diaspora gründet darauf. Wenn die Juden diese Schwüre einhalten, bekommen sie den dritten Tempel. Das bedeutet, dass sie sich in den Tausenden Jahren nicht haben vermengen, nicht haben integrieren lassen. Für mich ist das, was Czollek sagt, ähnlich wie das, was die Rabbiner in meiner Gemeinde gesagt haben, und die sind ja nicht so weit damit gekommen. Aber ich glaube, ich bin da einfach befangen wegen meines Hintergrundes.
Inwiefern?
Meine Lebenserfahrung hat mir etwas anderes beigebracht, nämlich: Man muss Verbindungen aufbauen, man muss Brücken bauen, es geht für mich nicht darum, sich einer Leitkultur zu unterwerfen. Dieses Abschotten, das finde ich destruktiv und unmodern, anachronistisch.

Kürzlich hat die EU-Kommission Umfrageergebnisse zum Antisemitismus veröffentlicht: Mehr als ein Drittel aller Juden in der EU haben in den vergangenen fünf Jahren ans Auswandern gedacht. 41 Prozent von über tausend Befragten in Deutschland haben angegeben, schon eine antisemitische Erfahrung gemacht zu haben. Der europäische Durchschnitt diesbezüglich liegt bei 28 Prozent. Und 85 Prozent der Juden in der EU bezeichnen Antisemitismus, die Fragen der Sicherheit und Judenfeindlichkeit als ihr grösstes Problem.
Ich weiss nicht, ob die Situation in Amerika so gross anders ist. Aber jeder Jude, der in seinem Leben einmal Antisemitismus erlebt hat, wird bei dieser Frage sagen, Antisemitismus sei sein Hauptproblem. Das ist eine Frage der psychologischen Einstellung.
… Alles vom 19.2.2019 bitte lesen auf
https://www.nzz.ch/feuilleton/deborah-feldman-in-deutschland-bedeutet-juedisch-sein-sich-mit-dem-antisemitismus-zu-identifizieren-ld.1460669?mktcid=nled&mktcval=107&kid=_2019-2-20
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Deborah Feldman, 1986 in New York geboren, verliess im Alter von 23 Jahren die ultraorthodoxe Satmarer Glaubensgemeinschaft in Williamsburg, New York, und brach damit alle Verbindungen zu ihrer Familie ab. In ihren autobiografischen Büchern «Unorthodox» (2016 in deutscher Übersetzung erschienen) und «Überbitten» (2017) beschreibt sie Kindheit, Jugend und Neubeginn in Deutschland. Feldman lebt in Berlin.

 

Rituelles Holocaust-Gedenken kann zur Falle werden
75 Jahre sind seit der Shoah vergangen, bald wird es keine direkten Zeugen mehr geben. Was bedeutet das für die Erinnerung an diesen epochalen Zivilisationsbruch? Wird das bereits heute ritualisierte Gedenken noch mehr versteinern? Um sich des Antisemitismus zu erwehren, reicht das historische Wissen vollauf.
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Erst KZ-Besuch, dann Currywurst
«Schon wieder Juden und Holocaust. Ich kann es nicht mehr hören», sagen viele. Und es sind nicht nur Böswillige. Noch mehr millionenschwere Arbeitsbeschaffungsprogramme für unterbeschäftigte Historiker, Volkserzieher und Bürokraten wie zum Beispiel in der deutschen Stiftung «Erinnerung, Verantwortung, Zukunft» (EVZ) oder im Programm «Demokratie leben» der deutschen Bundesregierung sind daher keine Lösung. So wenig wie obligatorische Besuche von Jugendlichen in KZ-Gedenkstätten, bei denen die Erzieher von den zu Erziehenden zu Recht Betroffenheit erwarten und – wie so oft bei fehlerhafter Pädagogik – (post)pubertäre Trotzreaktionen auslösen. Erst KZ-Besuch, dann Currywurst. So sieht’s am Ende aus.

Wer vom muslimischen und vom linken Antisemitismus nicht reden will, sollte auch vom rechten schweigen.
Die zu Recht Empörten sind auf den «alten Antisemitismus» fixiert: den braunen/faschistischen/nationalsozialistischen/ rechten. Historisch ist das mehr als verständlich. Diese alten Ungeister spuken noch immer und bespucken Gedenkpolitik und -pietät. Wer aber, wie beim Autofahren, nur in den Rückspiegel schaut, übersieht die Gefahren von vorn. Die Fokussierung auf den alten oder neurechten Antisemitismus reicht eben nicht. Zu beachten sind ausserdem der linke und noch mehr der muslimische.
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Noch mehr als der linke wird der muslimische Antijudaismus weit über das Gedenken hinaus im öffentlichen Diskurs tabuisiert oder menschheitslyrisch versüsst. Willentlich oder nicht, wissentlich oder nicht bleiben religiös kanonisierte antijüdische Traditionen im Islam meistens unerwähnt. Angesichts der Tatsache, dass der fundamentalistische Islam auch unter europäischen Muslimen zahlreiche Anhänger gewinnt, kann die antijüdische Wucht jener Überlieferung gar nicht überschätzt werden. ….
Ohne richtige Diagnose keine Therapie. Erst recht nicht, wenn beim Holocaust-Gedenken dieses Gebot gilt: Du sollst nie erwähnen, dass auch Muslime in Mittelost, auf dem Balkan und im Kaukasus mit Hitler und Konsorten im Zweiten Weltkrieg, auch bei der Judenvernichtung, kooperiert haben. Ein zweites Gebot gilt: Minimiere oder ignoriere, besser: negiere, die im Vergleich zur christlichen oder nennchristlichen Bevölkerung überproportional vertretenen antijüdischen Einstellungen sowie Holocaust-Leugnungen oder Holocaust-Verharmlosungen unter Muslimen, selbst wenn sie empirisch belegt sind. …
Die makabre Freibrief-These für muslimische Gewalt gegen Juden bestätigt (zumindest in Deutschland) auch die amtliche Statistik. Judenfeindliches wird automatisch der Rechten zugeordnet. Wird es von Muslimen verübt, wird es als (Nahost-)«politisch motivierte Kriminalität» (PMK) erfasst. Das Ergebnis: Amtlich betrachtet werden in Deutschland rund 90 Prozent aller antisemitischen Straftaten von der deutschen Rechten begangen…..
Wer nur nach hinten rechts schaut, übersieht die entgegenkommenden Gefahren. Wer vom muslimischen und vom linken Antisemitismus nicht reden will, sollte auch vom rechten schweigen. Die Gedenkfalle kann keine noch so erschütternde Zeitzeugenrede am «Holocaust-Gedenktag» beseitigen.
…. Alles vom 30.1.2019 von Michael Wolffsohn bitte lesen auf
https://www.nzz.ch/meinung/wer-immer-nur-rechts-in-den-rueckspiegel-schaut-sieht-die-gefahr-vorne-nicht-rituelles-holocaust-gedenken-kann-auch-zur-falle-werden-ld.1450430

 

 

Holocaust-Verharmlosung: Nein, Muslime sind nicht “die neuen Juden”
Wer Islamkritik mit der industriellen Ermordung von Juden vergleicht, der hat im „besten“ Fall „den Schuss nicht gehört“ – im schlimmsten Fall versucht er hier, mittels „jew-washing“ reale interkulturelle Probleme zu verschleiern. …
Der Vergleich von Antisemitismus und der Sorge um die praktischen Folgen des Islams ist eine falsche und gefährliche Dummheit, und er verhält sich zur Gleichsetzung wie der heiße Kuss zum Beischlaf: man tut das eine und will doch das andere. Die Geschichtslosigkeit solcher Vergleiche hinderte Linke und Islam-Apologeten nicht daran, sie zu ziehen….

… Alles von Dushan Wegner vom 10.10.2018 bitte lesen auf
http://juedischerundschau.de/holocaust-verharmlosung-nein-muslime-sind-nicht-die-neuen-juden-135912106/

 

Denkmal-Rede von Höcke – Auf Provokationen nicht mit Unehrlichkeit antworten
Wenn Björn Höcke provoziert, dann muß man dagegen angehen – es wäre zu begrüßen, wenn es der AfD gelänge, die rechtsextremen Braundumpfen aus ihrer Partei zu eliminieren. Wenn man aber Höcke-Zitate bewußt verfälscht, dann ist dies unehrlich und gegen die Diskussionskultur. Genau diese Unehrlichkeit zeigen Presse und Politik nach der Denkmal-Rede von Höcke:

(1) “Wir Deutschen sind das einzige Volk, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“ Dass dieses Höcke-Zitat in Ordnung ist, zeigt folgendes Zitat der CDU-Ministerin Monika Grütters, die auf Bundesregierung.de den Historiker Neil MacGregor lobend anführt, er
(2) “kenne kein anderes Land, das in der Mitte seiner Hauptstadt ein Mahnmal der eigenen Schande errichtet hätte.“
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Beide Zitate haben den gleichen Inhalt bzw. Sinn – jeder Linguist wird dies bestätigen: Das Denkmal mitten in Berlin erinnert an die Schande des Holocoust, es ist ein Denkmal zur Erinnerung an eine übergroße Schande. Gleichwohl wird Zitat (1) von der Mainstream-Medien (ist der Begriff Lügenpresse nicht doch angebracht?) zerrissen, während Zitat (2) auf der offiziellen Internetseite der Bundesregierung seit Monaten shitstormfrei und unbeanstandet gelesen wird oder auch nicht.
Was macht die Presse aus Höckes “Denkmal der Schande”? Entweder wird das Zitat verfälscht zum “schändlichen Denkmal” oder “Schand-Denkmal” usw. Oder sie nutzt die Zweideutigkeit des Genitivs im Deutschen und meldet, Höcke habe mit “Denkmal der Schande” niemals ein „Denkmal zur Erinnerung an eine Schande“ gemeint, sondern ein „schändliches Denkmal.”
Schade – wo man mit knallhart-ehrlichem Journalismus dem AfD-Rechtsaußen Björn Höcke so leicht auf die Schliche kommen könnte.
17.2.2017

Grütters zur “Denkmalkultur in Deutschland”
“Sind wir Deutschen auch mit Blick auf im positiven Sinne identitätsstiftende Erinnerungen “denkmalfähig”?” Diese Frage stellte Kulturstaatsministerin Grütters in ihrer Rede zum Auftakt einer Podiumsdiskussion zum Thema Denkmalkultur.
Dass nach 1990, als das wiedervereinte Deutschland seine Rolle in Europa und der Welt vorsichtig neu definierte, das lang umstrittene Holocaust-Mahnmal – nach mehr als zehn Jahren des Debattierens und Streitens, nach Wettbewerben mit mehreren hundert eingereichten Entwürfen und nach mehrfacher Überarbeitung des letztlich ausgewählten Projekts – zum bedeutendsten Denkmal in Berlin wurde, das hat für sich genommen schon hohe Symbolkraft. Neil MacGregor hat anhand dieses Beispiels auf eine Besonderheit deutscher Denkmalkultur aufmerksam gemacht. Er kenne, schrieb er im Buch zu seiner Ausstellung „Deutschland. Erinnerungen einer Nation“, er kenne „kein anderes Land, das in der Mitte seiner Hauptstadt ein Mahnmal der eigenen Schande errichtet hätte.“ ….
Alles bitte lesen auf
https://www.bundesregierung.de/Content/DE/Rede/2016/09/2016-09-06-gruetters-denkmalkultur.html

Erinnerungskultur: Wie nah Glanz (Weimar) und Elend (Buchenwald) beieinanderliegen
Brauchen wir eine neue Erinnerungskultur? Meiner Meinung nach ja. Den Holocaust und die Konzentrationslager kann man nicht leugnen und auch nicht wegschweigen. Aber wir sollten etwas anderes nicht vergessen. Ein paar Kilometer vom Konzentrationslager Buchenwald entfernt liegt Weimar. Auf diesen Ort, der wie wenige auf der Welt steht für Humanismus, Kultur und Menschheitserbe, können wir stolz sein. Namen wie Goethe, Schiller, Bach, Cranach, Herder, Liszt, Wagner, Nietzsche, Schopenhauer, verleihen der Stadt ihren einmaligen Rang. Es soll auch nicht verschwiegen sein, dass Weimar die Stadt der ersten deutschen Republik ist, deren Gründer diesen Ort eingedenk seiner großen Vergangenheit gewählt haben.
Wäre da nicht Buchenwald, wäre der Stolz ungetrübt. Es ist unbegreiflich, wie nah Glanz und Elend, Stolz und Scham Deutschlands hier beieinanderliegen. Natürlich können wir als Deutsche stolz sein auf unsere Demokratie, unsere Ingenieurskunst, unseren Wohlstand, unsere Autoindustrie und auf unseren Fußball. Aber im Innersten, wenn wieder so ein Gedenktag ist, wie der der Befreiung von Auschwitz, dann ist uns doch sehr beklommen zu Mute beim Gedanken an das entsetzliche Unrecht, das von unserem Land ausgegangen ist. Wir sollten das nie vergessen, aber wir dürfen wir uns dann am Gedanken an Weimar aufrichten.
5.2.2017, Thomas Börger, Neuenburg, BO

 

 

AfD-Politiker Höcke kritisiert Holocaust-Gedenken
Der Thüringer AfD-Vorsitzende Björn Höcke hat mit massiver Kritik am Holocaust-Gedenken der Deutschen Empörung ausgelöst. Er sprach von einem Denkmal der Schande in Berlin.
…. Alles vom 18.1.2017 bitte lesen auf
http://www.badische-zeitung.de/afd-politiker-hoecke-kritisiert-holocaust-gedenken

Martin Walser zur unvergänglichen Schande
Der Schriftsteller Martin Walser hatte dies 1998 ganz ähnlich gesehen: “Jeder kennt unsere geschichtliche Last, die unvergängliche Schande, kein Tag, an dem sie uns nicht vorgehalten wird. Könnte es sein, daß die Intellektuellen, die sie uns vorhalten, dadurch, daß sie uns die Schande vorhalten, eine Sekunde lang der Illusion verfallen, sie hätten sich, weil sie wieder im grausamen Erinnerungsdienst gearbeitet haben, ein wenig entschuldigt, seien für einen Augenblick sogar näher bei den Opfern als bei den Tätern? (…)
Kein ernstzunehmender Mensch leugnet Auschwitz; kein noch zurechnungsfähiger Mensch deutelt an der Grauenhaftigkeit von Auschwitz herum; wenn mir aber jeden Tag in den Medien diese Vergangenheit vorgehalten wird, merke ich, daß sich in mir etwas gegen diese Dauerpräsentation unserer Schande wehrt. In der Diskussion um das Holocaustdenkmal in Berlin kann die Nachwelt einmal nachlesen, was Leute anrichteten, die sich für das Gewissen von anderen verantwortlich fühlten. Die Betonierung des Zentrums der Hauptstadt mit einem fussballfeldgrossen Alptraum. Die Monumentalisierung der Schande.” http://www.heise.de/tp/features/Die-Metaebene-der-Walser-Bubis-Diskussion-3440173.html
19.1.2017, Franz Martin, BO
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Bubis Kritik an Walser
Herr Martin, in dem Fall nicht ganz vollständig. Walser hielt die Rede aus Anlass der Verleihung des Friedenspreises (Buchhandel) an ihn. Es gab Streit und anschließend eine kontroverse Diskussion. “Die Rede mit dem Titel “Erfahrungen beim Verfassen einer Sonntagsrede” fand in den historisch bedeutsamen Räumen der Frankfurter Paulskirche vor 1200 Gästen aus Kultur, Wirtschaft und Politik statt und wurde zunächst fast ausnahmslos mit stehenden Ovationen begeistert aufgenommen. Zu denjenigen, die nicht applaudierten, gehörte der damalige Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis, der die Rede kurz danach als “geistige Brandstiftung” bezeichnete. Er warf Walser eine Schlussstrichmentalität vor, weil dieser vom Wegschauen und Wegdenken in Bezug auf die Verbrechen des Nationalsozialismus gesprochen hatte.
Nachdem Bubis diese Kritik anlässlich seiner Gedenkrede am 9. November wiederholte, entwickelte sich die eigentliche Kontroverse in den Medien. Sie führte zu einem Diskurs über die Normalität der deutschen Nation und über das deutsch-jüdische Verhältnis. Trotz dieser gesellschaftlichen Dimension hatte die Debatte den Charakter einer persönlichen Auseinandersetzung zwischen Walser und Bubis, in die sich auch Klaus von Dohnanyi einschaltete. Dohnanyi, früherer 1. Bürgermeister von Hamburg und Sohn eines von den Nationalsozialisten ermordeten Widerstandskämpfers, verteidigte Walser gegen Bubis‘ Kritik. Die gesellschaftliche Relevanz der Kontroverse machten indes die Politiker, Feuilletonisten und Wissenschaftler deutlich, die in Zeitungsartikeln und Leserbriefen die Debatte kommentierten. Grundtenor war die Überzeugung, dass Walser ein Problem der Erinnerungskultur in Deutschland ansprach. Bubis dagegen hätte ihn mit dem Vorwurf der Schlussstrichmentalität missverstanden, was auf Walsers vermeintlich unklare und zweideutige Formulierungen zurückgeführt wurde. Ein von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung organisiertes Versöhnungsgespräch zwischen den beiden Kontrahenten markierte den Schlusspunkt der Auseinandersetzung. Bubis nahm darin den Vorwurf der geistigen Brandstiftung zurück.”
Näheres dazu:
http://www.zukunft-braucht-erinnerung.de/die-walser-bubis-kontroverse/
19.1.2017, Ursula Birgin
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Kein Ausschluß von Höcke aus der AfD?
Doof, dass die beste Zusammenstellung der Reaktionen aus der AfD ausgerechnet in der “Jungen Freiheit” zu lesen war. Jedenfalls soweit ich das mitbekommen habe. https://jungefreiheit.de/politik/deutschland/2017/petry-hoecke-ist-eine-belastung-fuer-die-partei/
Der Kommentator der “Jungen Freiheit” nennt es einen “Bärendienst” den Höcke der AfD erwiesen habe und deutet an, auf welchem Weg die AfD aus dem Schlamassel herauskommen solle: “Gleichwohl wird auch die AfD nicht umhinkönnen, eine geschichtspolitische Positionierung vorzunehmen, die die heutigen Deutschen mit ihrer Identität und Vergangenheit versöhnt, ohne nostalgische Beschönigungen und einseitiges Weglassen oder Überbetonen. Die AfD-Führung sollte Björn Höcke dieses Thema nicht überlassen: Für ihn ist es offenkundig mehrere Nummern zu groß.” https://jungefreiheit.de/debatte/kommentar/2017/hoeckes-baerendienst/
Ich wage die Prognose, dass es einen Ausschluss Höckes aus der AfD nicht geben wird, dafür sind die aus der AfD kommenden kritischen Reaktionen viel zu schwach und zu wenig grundsätzlich. Das Denken, wie es exemplarisch von Jürgen Elsässer vorgetragen wird, ist längst common sense der AfD: “Die AfD kann nur überleben, wenn sie Streitfragen im Innern austrägt – aber noch außen, gegen das Regime und seine Medien, geschlossen agiert. Die AfD-Spitze täte gut daran, gegen diese Hetze der Etablierten Solidarität mit Höcke zu demonstrieren!” https://juergenelsaesser.wordpress.com/2017/01/18/kesseltreiben-gegen-hoecke-nach-dresdner-rede/
19.1.2017, Thomas Betz, BO

Mahnmal-Rede von Höcke
Walsers und Höckes Rede sind in dieser Frage tatsächlich auf einer Wellenlänge. So war es Walsers Haupt-Anliegen, die seiner Meinung nach permanente Dauerpräsentation der deutschen „Schande“ als „Moralkeule“ anzuprangern. Auch Höcke spricht gegen eine „Dauerpräsentation der Schande“ wenn auch mit anderen Worten: …
„Wir Deutschen, also unser Volk, sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“
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Höcke hat dies später so präzisiert:
“Das heißt, ich habe den Holocaust, also den von Deutschen verübten Völkermord an den Juden, als Schande für unser Volk bezeichnet. Und ich habe gesagt, dass wir Deutsche diesem auch heute noch unfassbaren Verbrechen, also dieser Schuld und der damit verbundenen Schande mitten in Berlin, ein Denkmal gesetzt haben.”
„Anstatt die nachwachsenden Generationen mit den großen Wohltätern, den bekannten, weltbewegenden Philosophen, den Musikern, den genialen Entdeckern und Erfindern in Berührung zu bringen, von denen wir ja so viele haben (…) anstatt unsere Schüler in unseren Schulen mit dieser Geschichte in Berührung zu bringen, wird die deutsche Geschichte mies und lächerlich gemacht.“
Alles vom 19.1.2017 bitte lesen auf
http://meedia.de/2017/01/19/hoeckes-umstrittene-schandmal-rede-in-dresden-spiegel-gruender-rudolf-augstein-waehlte-einmal-fast-die-gleichen-worte/
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Man muß schon von dem ausgehen, was Höcke wirklich gesagt hat. Er lobt ausdrücklich die Erinnerungskultur und betont auch die große Schuld, die Deutschland durch den Holocaust trägt. Er nennt das Holocaust-Denkmal in Berlin ein “Denkmal der Schande”, weil der Holocaust eine Schande ist und das Denkmal an diese Schande erinnert. Das stimmt alles und ist gewiß kein Plädoyer für einen Schlußstrich.
Höcke ruft allerdings dazu auf, die deutsche Geschichte nicht auf die zwölf Hitlerjahre zu reduzieren. Daran ist nichts falsch, daran ist nichts antisemitisch, nichts geschichtsverfälschend oder dergleichen. … Höcke ist ein Pubertätspickel der AfD. Er wird über kurz oder lang ausgedrückt.
20.1.2017, Marco Mahlmann, AO
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Höcke ist für seine Partei ebensowenig repräsentativ, wie es ein Ralph Stegner für die SPD ist. Zum Glück!!! ….
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Seine Forderung, die deutsche Geschichte nicht ausschließlich auf das 3. Reich und dessen Verbrechen zu verengen, ist nach bald 75 Jahren und 3 Generationen höchste Zeit.
Rudolf Augstein und Martin Walser haben vor Jahren exakt das Gleiche über die Berliner Gedenkstätte gesagt. Genau genommen hat Höcke deren Zitate einfach nur wiedergegeben.
20.1.2017, Frank Wagner, AO

Und jetzt ein Bürgerstreit – Immer nur Holocaust?
Die deutsche Erinnerungskultur muss wieder begründet werden – denn das Gefühl, wir befassen uns zuviel mit dem Nationalsozialismus, hat die AfD nicht exklusiv.
http://www.badische-zeitung.de/kultur-sonstige/und-jetzt-ein-buergerstreit–132817131.html

 

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Holocaust Education = Wissensvermittlung + Betroffenheit/Schuldpojektion
Die Ausstrahlung der vierteiligen amerikanischen Fernsehserie “Holocaust” Ende der 1970er Jahre hat trotz ihrer fiktiven Geschichte, die manche als Seifenoper bezeichneten, nicht nur in Deutschland zur Einführung des Begriffs “Holocaust” für die nationalsozialistische Vernichtung der Juden geführt, sondern auch eine breite öffentliche Auseinandersetzung mit dem Mord an den europäischen Juden angestoßen. In den 1980er Jahren wurde in vielen Ländern darüber diskutiert, wie das Thema Holocaust nachhaltiger in die Erziehungsarbeit eingebunden werden könnte. International hat sich für die pädagogische Auseinandersetzung mit dem Holocaust in Forschung und Praxis der Begriff “Holocaust-Education” durchgesetzt, der in zweierlei Hinsicht problematisch ist.
Zum einen beschreibt der Terminus Holocaust in seiner Bedeutung “Brandopfer” nicht annähernd die industriell betriebene Vernichtung der Juden während des Nationalsozialismus. …
Zum anderen wird unter “Holocaust-Erziehung” nicht so sehr eine Vermittlung kognitiven Wissens über den Holocaust verstanden, sondern vielmehr eine Moral- und Werteerziehung,…
Der Holocaust lässt sich auch nicht zum bloßen historischen Ereignis reduzieren. Neben der Vermittlung kognitiven Wissens muss die Auseinandersetzung mit Erinnerungsabwehr und Schuldprojektionen auf die Opfer des Holocaust, die zu einem sekundären Antisemitismus, also einem Antisemitismus wegen Auschwitz führen können, ein zentrales Anliegen der schulischen Bildung sein ….
Bundeszentrale für Politische Bildung, www.bpb.de
http://www.bpb.de/geschichte/zeitgeschichte/geschichte-und-erinnerung/39843/holocaust-erziehung

Holocaust Education, ein neues Unterrichtsfach?
Holocaust Education ist ein relativ neuer Begriff, der sich, ob man ihn schätzt oder nicht, wohl auch in Deutschland als Holocaust Erziehung oder in seiner englischen Version durchsetzen wird. ….
http://www.gedenkstaettenpaedagogik-bayern.de/holocaust_education.htm
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Holocaust Education als Ursache für Deutsche Identitätsprobleme
Einer unsere Söhne wurde im Alter von 15 Jahren in den Film “Schindlers Liste” gesetzt und hat diesen Filmbesuch – trotz mehrwöchiger Vor- und Nachbereitung im Geschichtsunterricht – insofern nicht verkraftet, als der Film ein tiefes Identitätsproblem zu Deutschland als seinem Heimatland begründete. Als wir im folgenden Jahr Florida besuchten, wunderte er sich, wie ungezwungen und “cool” junge Amerikaner ihre US-Fähnchen schwenken konnten. Nun lese ich – fast 20 Jahre später – den Beitrag “Die Nation, die sich nicht mag“, in der Prof Ulrich Schmidt-Denter die Ergebnisse seiner Vergleichsstudie zur nationalen Identität europäischer Jugendlicher mit folgender Einleitung darlegt (www.psychologie-heute.de, September 2012):
“Junge Migranten, die in Deutschland aufgewachsen sind, identifizieren sich deutlich weniger mit dieser Nation als ihre Eltern. Das mag auch daran liegen, dass die Deutschen selbst ein so schwieriges Verhältnis zu ihrem Land haben. Ein Volk, das sich selbst abwertet, wirkt unattraktiv auf Zuwanderer”.
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(1) Die Deutschen haben ehr Probleme mit sich selbst als mit Fremden – ein im europäischen Vergleich sehr großes maß an Xenophilie steht eine eher unauffällige Xenophobie (Fremdenfeindlichkeit) gegenüber.
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(2) Im Falle einer hypothetischen “Wiedergeburt” möchte nur ein Drittel aller Jugendlicher wieder Deutsche/r sein. Diese deutsche Neigung zur kritischen Selbstreflexion wird von Migranten nicht übernommen.

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(3) Erwachsene deutsche Neubürger erleben Deutschland signifikant positiver als die eingesessenen Deutschen selbst – weil sie keine Holocoust Education genießen mussten?
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(4) Bei jugendlichen Migranten dagegen wiederholt sich der für einheimische Jugendliche typische Befund: Nationalstolz und Identifikation (zum Einwanderungsland) im europäischen Vergleich am schwächsten ausgeprägt. Nur 16% wollen als Deutsche wiedergeboren werden. Die Identitätsprobleme der Migrantenkinder werden nicht innerhalb der Familien von Generation zu Generation weitergereicht, sondern haben dieselben Schwierigkeiten der deutschen Kinder.
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(5) Für Deutsche Identitätsprobleme bei Jugendlichen ist eindeutig die Holocaust Education ursächlich. 14-jähige Deutsche sind weniger stolz auf ihre Nation als altersgleiche in den EU-Ländern. Bei 15-jährigen Deutschen sinkt der Nationalstolz weiter, dieser Identitätsknick steht in Verbindung zu dem im Geschichtsunterricht  gebotenen “Dritten Reich” in Klasse 9 und 10.
a) Die SchülerInen erleben eine Übersättigung: Thematisierung des Holocaust auch in anderen Fächern, Internet, Dauerpräsenz im Fernsehen,  …
b) Neben rein kognitiven Lernzielen soll eine starke Betroffenheit, Erschütterung und Identifikation mit den Opfern erzeugt werden – neben dokumentarischen auch fiktionale Filme, KZ-Besuche. “Dachau funktioniert nicht mehr. Das nächste Mal fahre ich nach Ausschwitz, wo die Berge von Brillen und Zähnen zu sehen sind – vielleicht kapieren sie es dann” (Lehrerzitat).
c) Holocaust Education wirkt nicht nur als notwendige Aufklärung der historischen Epoche, sondern auch als verzerrte Gegenwartsbeschreibung von Deutschland. Besonders dramatisch in den EU-Nachbarländern, wo sich der Unterricht über Deutsche Geschichte auf das “Dritte Reich” beschränkt und die demokkratische Nachkriegsentwicklung unbekannt bleibt.
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(6) Migranten machen es die deutschen Identitätsprobleme doppelt schwer: Zum einen können sie nicht verstehen, warum hier etwas so Furchtbares zum zentralen Inhalt der Identität gemacht wird. Zum anderen wird ihnen zugemutet, mit der Integration ein positives Verhältnis zu einem Land zu entwickeln, das eingesessene Bewohner selbst oft ablehnen. Der türkischstämmige Kabarettist Fatih Cevikkollu beschreibt das Identitätsparadoxon des integrationsbereiten Zuwanderers so: “Du wächst hier auf und kommst zu einem Punkt, an dem du “ja” sagst zu dem Land …, und dann stellst du fest, du stehst allein da. Deutschland ist gar nicht mehr angesagt. Und wenn du jetzt noch den berühmten Integrationsgedanken zu Ende denkst, merkst du, der funktioniert gar nicht. Du sollst dich an ein Land anpassen, was sich selbst gar nicht will.”
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(7) Den Migranten wie den Deutschen fehlen positive Identitätsinhalte und Verbundenheit mit dem Deutschland, in dem sie leben. Bei der Holocaust Education “gilt zu bedenken, dass im Jugendalter eine besondere Verletzlichkeit von Gefühlen besteht, dass die labile Identitätsentwicklung eher der Stützung als der Verunsicherung bedarf.” Diese Folgerung von Prof Schmidt-Denter sollten sich die Pädagogen und Curriculumsentwickler zu Herzen nehmen – rasch und wie man so schön sagt nachhaltig.
13.8.2012, Ekke
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10. Worin bestehen die Probleme der Holocaust Education?

“Einer Fülle von programmatischen Schriften und postulierten Erziehungszielen steht ein Mangel an empirisch fundiertem Wissen über die tatsächlichen Erziehungseffekte gegenüber. Der Ansatz, starke emotionale Betroffenheit und Opfer-Identifikation bei den Schülerinnen und Schülern zu induzieren, kann zu nicht-intendierten affektiven Nebenwirkungen führen und das Erreichen der kognitiven Erziehungsziele gefährden. Im Jugendalter besteht eine besondere Verletzlichkeit in der Identitätsentwicklung, der bei der pädagogischen Vermittlung des Holocaust nicht immer genügend Rechnung getragen wird. Es lässt sich eine Verbindung zu Verunsicherungen der deutschen Identität von Jugendlichen ohne und mit Migrationshintergrund herstellen, die insbesondere anlässlich des Geschichtsunterrichts in der 9./10. Jahrgangsstufe nachweisbar ist.”
Quelle: Fazit (letzter Punkt von 10)  http://schmidt-denter.de/forschung/dokumente/Fazit_Buch.pdf Ulrich Schmidt-Denter (Prof für Entwicklungs- und Erziehungspsychologie Universität Köln):
Die Deutschen und ihre Migranten,
Verlag Beltz Juventa, November 2011
http://schmidt-denter.de

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