Professor

Home >Bildung >Hochschulen >Universitaet >Professor

An der Küste von Ligurien 40 km östlich von Genua am 10.7.2014

An der Küste von Ligurien 40 km östlich von Genua am 10.7.2014

 

 

 

Das Elend der Wissenschaftskarriere – Von Job zu Job
Die Universitäten werden in wesentlichen Bereichen getragen von jungen Menschen, die wenig verdienen und trotzdem nicht wissen, ob es ihren Job nächstes Jahr noch gibt. Vor allem haben sie kaum Chancen, durch ihre Knechtsarbeit an Lehrstühlen und Instituten wirklich die akademische Karriere zu absolvieren, für die sie doch all das auf sich nehmen. ….   Alles von Wulf Rüskamp vom 17. Juli 2014 bitte lesen auf
http://www.badische-zeitung.de/kommentare-1/leitartikel-von-job-zu-job–87591984.html

Es fehlt ihnen nicht an klaren Worten, sondern es fehlt an Geld
Die Situation von Nachwuchswissenschaftlern und -wissenschaftlerinnen an deutschen Universitäten und Forschungseinrichtungen ist in der Tat katastrophal. Sie ist eine Zumutung für die betroffenen Frauen und Männer, und sie ist verantwortungslos gegenüber der Zukunft unserer Gesellschaft, für die bekanntlich Bildung und Wissenschaft die wichtigsten Garanten sind. Neu ist das alles nicht. Die Stellungnahmen von Wissenschaftlern und Wissenschaftsmanagern, die diesen Notstand anprangern und nach Abhilfe rufen, lassen sich kaum noch zählen.
Die Folgerung, die Rüskamp aus seiner Beschreibung zieht, enttäuscht. Die Universitäten sollen ihrem Nachwuchs “klar sagen”, wie es um dessen Karrierechancen steht? Als ob diese Hochqualifizierten nicht selbst genau wüssten, auf was sie sich einlassen. Rüskamps Rat ist von der gleichen wirkungslosen Hilflosigkeit wie die bisherigen Reaktionen aus dem akademischen Bereich. Reden statt handeln, sich mit der Situation abfinden, statt politische Wege zu ihrer Veränderung gehen.
Nicht an klaren Worten fehlt es unseren Universitäten. Es fehlt ihnen an Geld. Geld ist zwar in unserer Gesellschaft genug da. Aber seine Verteilung ist eine Frage der Macht, und die Universitäten sind offenbar außer Stande, die symbolische Macht, die sie haben, zu nutzen und vom Staat das Geld, das sie brauchen, nicht zu erbitten, sondern zu fordern und zu erstreiten. Die Lehrsituation in vielen Fächern ist nicht mehr zumutbar: Warum zeigen die Rektoren und Dekane das nicht der Öffentlichkeit und stellen ihre Lehre ein – anstatt deren Löcher ständig zu stopfen? Die Personalsituation in vielen Instituten ist längst unhaltbar: Warum schließen die Direktoren nicht ihre Institute – anstatt deren Betrieb durch die Ausbeutung des Nachwuchses technisch aufrechtzuerhalten?
Aber zu einem Streit mit dem Staat sind meine Kollegen und Kolleginnen nicht zu bewegen, Beamte und Staatsangestellte in persönlich gut dotierten Stellen. Und ein öffentlicher Streit mit dem Staat würde Unruhe und Unannehmlichkeiten mit sich bringen. Und die betroffenen Nachwuchswissenschaftler? Sie sind abhängig von ihren Professoren. Und die tägliche Arbeit plus das Schreiben an der Habilitation ist mehr als genug. Zudem: Universitätskarrieren individualisieren, trimmen auf Konkurrenz. Wo sollen da Antrieb und Kraft herkommen, sich zu solidarisieren und bundesweite Aktionen und Streiks zu organisieren?
So werden die Universitäten weiterhin Not leiden. Wie unser gesamtes Bildungssystem. Eine Gesellschaft verspielt ihre Zukunft.
23.7.2014, Prof. Dr. Hans Peter Herrmann, Freiburg

Hinterlasse eine Antwort