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Baechle in der Innenstadt von Freiburg am 26.3.2011

 

Die fünf Fraunhofer-Institute in Freiburg

Das unscheinbare Schwergewicht / Die fünf Freiburger Fraunhofer-Institute geben mehr als 1000 Menschen Arbeit und liefern Impulse für die regionale Wirtschaft

Am ehesten erfreut sich wohl noch das “Ise” allgemeiner Bekanntheit: “Die machen doch so was mit Solarzellen, oder?” Ansonsten herrscht oft Ahnungslosigkeit. Dass es neben dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) — so die offizielle Bezeichnung — in Freiburg noch vier weitere Forschungseinrichtungen der Fraunhofer-Gesellschaft mit zusammen mehr als 1000 Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen und mehr als 90 Millionen Euro Jahresbudget gibt, ist vielen Freiburgern fremd geblieben. Dabei ist Freiburg für die Fraunhofer-Gesellschaft (siehe Infobox) einer der fünf größten Standorte, in einer Reihe zum Beispiel mit Berlin und Stuttgart. Etwa jeder zwölfte Fraunhofer-Mitarbeiter bundesweit hat seinen Arbeitsplatz in Freiburg, knapp ein Zehntel des Gesamtbudgets wird hier ausgegeben (siehe Kurzporträts unten). Marion Horn, die Pressesprecherin der Gesellschaft, bestätigt: “Freiburg ist natürlich sehr wichtig für uns” . Auch aus der umgekehrten Perspektive ist die Rolle der Institute bemerkenswert. Denn einerseits spielen sie eine wichtige Rolle auf dem regionalen Arbeitsmarkt, andererseits dienen sie der südbadischen Wirtschaft als Ideengeber und stellen ihre technische Infrastruktur zu Verfügung. Was das Gewicht auf dem Arbeitsmarkt betrifft, brauchen die Institute in ihrer Gesamtheit den Vergleich mit den meisten größeren Industriebetrieben, die der Freiburger Raum aufzubieten hat, nicht zu scheuen — etwa mit dem Freiburger Chemieunternehmen Rhodia (rund 1200 Beschäftigte) oder der Bötzinger Autozulieferer Peguform (rund 400 Beschäftigte).

Hermann Heck, als Bereichsleiter bei der Arbeitsagentur und dort unter anderem für die Vermittlung von Akademikern verantwortlich: “Die fünf Fraunhofer-Institute arbeiten eng mit uns zusammen und nehmen regelmäßig unseren Service in Anspruch.” Allein in den vergangenen zwölf Monaten seien bei den fünf Instituten zwei Dutzend Arbeitsplätze und ein halbes Dutzend Ausbildungsplätze zu besetzen gewesen.

Die Belegschaften der Fraunhofer-Institute umfassen erstens Wissenschaftler (meist Ingenieure und Physiker), zweitens Techniker und Assistenten für den Betrieb von Werkstätten und Laboratorien sowie die Verwaltungsmitarbeiter und drittens Diplomanden und Doktoranden. Das ISE beispielsweise beschäftigt etwa 130 Forscher, 170 technische Hilfskräfte, 40 Verwaltungskräfte und 100 Diplomanden und Doktoranden. “Gerade bei der Besetzung von Technikerstellen konzentrieren wir uns auf den regionalen Arbeitsmarkt” , erklärt Birgit Bindnagel, Sprecherin des Ernst-Mach-Instituts (EMI). Die Jobs für Wissenschaftler würden hingegen bundesweit ausgeschrieben. Doch selbst dann fänden sich nicht immer passende Bewerber. Bindnagel: “Wir suchen schon ein halbes Jahr zwei Physiker — ohne Erfolg.” Zum einen seien die Anforderungen oft sehr speziell, zum anderen liege die Entlohnung (gemäß den Tarifen des öffentlichen Dienstes) unter jener in der Industrie.

Die Fraunhofer-Institute erwirtschaften beträchtliche Teile ihres Budgets durch Auftragsforschung. Das Institut für Physikalische Messtechnik (IPM) zum Beispiel bringt rund die Hälfte seiner Mittel über Aufträge von privater Seite ein, etwa durch die Fertigung von Mess-Systemen, welche auf Zugwaggons montiert werden und während der Fahrt Zustand und Position von Oberleitungen untersuchen. Auf gleiche Weise profitieren auch Unternehmen aus dem Freiburger Raum vom Know-How der Fraunhofer-Experten. Peguform in Bötzingen etwa arbeitet bei der Entwicklung von Instrumententafeln für Automobile mit dem EMI zusammen. Dabei geht es um das Verhalten des verwendeten Kunststoffs, wenn der eingebaute Airbag auslöst — eine “Explosion” mit höchsten Geschwindigkeiten, die Spezia-lität des EMI. Das ISE kooperiert entsprechend mit der Badenova und der Solarfabrik, das IPM mit Sick in Waldkirch oder Endress & Hauser. Zudem entstehen aus den Instituten heraus auch neue Unter-nehmen, zum Beispiel die “M2K-Laser GmbH” aus dem Institut für Angewandte Festkörperphysik (IAF)
Die 1949 gegründete Fraunhofer-Gesellschaft (ein Verein mit Hauptsitz München) befasst sich mit angewandter Forschung. Es geht also immer darum, etwas zu erkunden und zu entwickeln, was anschließend auch auf nützliche Weise in die Praxis umgesetzt werden kann. Damit ergänzt sie die Max-Planck-Gesellschaft, welche sich der Grundlagenforschung verschrieben hat und in Freiburg durch das Institut für internationales Strafrecht vertreten ist. Im Verbund mit der Hermann-von-Helmholtz-Gemeinschaft, der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Gemeinschaft und der Deutschen Forschungsgemeinschaft bestimmen sie die außeruniversitäre Forschung in Deutschland. Die Fraunhofer-Gesellschaft hat bundesweit 12 500 Mitarbeiter und unterhält 57 Institute an 37 Standorten. Das Jahresbudget: eine Milliarde Euro

Holger Schindler, 20.3.2006 auf www.badische-zeitung.de

Joseph von Fraunhofer
Die Karriere hatte keiner erwartet. Als Sohn eines einfachen Glasers 1787 geboren, arbeitete sich Joseph von Fraunhofer zum Pionier der modernen Optik, erfolgreichen Unternehmer und in den Adelsstand empor. Fraunhofer forschte und entwickelte neue Produkte zugleich. So baute er leistungsfähige Teleskope und maß die Wellenlänge des Lichts verschiedener Farben. Genau wegen dieser Kombination von Wissenschaft und der praktischen Anwendung neuer Erkenntnisse wurde er zum Namensgeber für die Fraunhofer-Gesellschaft. Sie trägt heute maßgeblich die angewandte Forschung in der Bundesrepublik. Fraunhofer-Leute arbeiten sowohl im Auftrag von Unternehmen als auch der Öffentlichen Hand. Nach Einschätzung von Experten wenden sich Unternehmen vor allem an die Fraunhofer-Institute, wenn es um größere Projekte geht, die länger laufen, manches Mal Jahre. Die Fraunhofer-Gesellschaft zählt zu den wichtigsten Patentanmeldern in Deutschland. Allein 2007 wurden aus den Fraunhofer-Instituten mehr als 650 Erfindungen zur Patentanmeldung eingereicht. Eines der Glanzstücke: Das Dateiformat für digitale Sprach- und Musikaufzeichnung mp3. Es wurde von Fraunhofer-Forschern entwickelt. Die Institute decken ein breites Spektrum ab. Zu den bekanntesten Einrichtungen zählt das Institut für Solare Energiesysteme in Freiburg – eine der wichtigsten Forschungseinrichtungen für Solartechnik. Außerdem beherbergt Freiburg das Institut für Physikalische Messtechnik, das Institut für Kurzzeitdynamik (mit Zweigstelle in Efringen-Kirchen), das Institut für Werkstoffmechanik und das Institut für Angewandte Festkörperphysik.
bkr, 15.8.2008

Adolf Goetzberger: Erfinder des Jahres 2009, Gründer des ISE
Adolf Goetzberger, der Gründer des Freiburger Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme (ISE), ist am Dienstagabend in Prag für sein Lebenswerk in der Solarenergie mit dem Preis “Europäischer Erfinder des Jahres 2009″ ausgezeichnet worden. Der 80-Jährige gehört seit den späten 70er-Jahren zu den Pionieren bei der Entwicklung von Solarzellen und der Gewinnung von Elektrizität aus Sonnenenergie. Den undotierten Erfinderpreis vergeben die EU-Kommission und das europäische Patentamt seit 2006 in vier Kategorien. Außer Goetzberger wurden bei der Gala in der Prager Burg Wissenschaftler aus Frankreich, China, den USA und der Schweiz geehrt. Der Freiburger Forscher gründete 1981 das ISE 1 und entwickelte später Prototypen photovoltaischer Systeme. Seine Veröffentlichungen gelten als Standardwerke.
30.4.2009

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