Bike-Arena, Neue Baugebiete, Talvogtei, Erneuerbare Energien in Kirchzarten

Dorf aktuell: Dagmar Engesser im Interview mit Kirchzartens Bürgermeiner Andreas Hall

Dreisamtäler: Herr Hall, ein Thema, das in Kirchzarten Wellen schlägt, ist die Bike-Arena. Die Gegner der Bike-Arena werfen Ihnen vor, sich von Anfang an schon auf den Standort Giersberg festgelegt zu haben.’
Hall: Es ist unbestritten, dass der Ist-Zustand am Giersberg konfliktträchtig ist. Das Ziel muss eine Verbesserung für alle sein, deshalb muss regelnd eingegriffen werden. Dabei müssen die Interessen aller Gruppen berücksichtigt werden, auch die der Biker, die nicht einfach alternativlos aus diesem Bereich verbannt werden können. Das Projekt „Bike-Arena“ wurde vom Sportverein Kirchzarten angestoßen und kommt somit aus der Bürgerschaft heraus. Das vorgelegte Konzept klang für mich plausibel und schlüssig, deshalb habe ich mich auf dieses Projekt eingelassen, aber immer mit der Maßgabe der Akzeptanz. Ich habe mich jedoch nicht auf eine konkrete Lösung oder Strecke festgelegt.
Dreisamtäler: Die Strecke der Bike-Arena könnte also auch ganz woanders verlaufen?
Hall: (… nach kurzem Überlegen …) Konkrete Frage, konkrete Antwort: Ja!
Dreisamtäler: Wie geht es denn jetzt weiter. Die Interessengemeinschaft Giersberg hat Unterschriften für ein Bürgerbegehren gegen eine Bike-Arena am Giersberg gesammelt.
Hall: Ein Bürgerbegehren richtet sich eigentlich gegen einen Gemeinderatsbeschluss. Der Gemeinderat hat aber noch gar nichts entschieden, von daher war dieses Bürgerbegehren verfrüht.
Dreisamtäler: Wenn man den Abriss des Wasserkraftwerks Rheinfelden ansieht oder auch Stuttgart 21 – da wurde den Bürgern vorgeworfen, dass sie sich mit ihren Protesten viel zu spät eingeschaltet haben. Von daher ist es doch verständlich, dass die Gegner hier früh aktiv wurden.
Hall: Es ist richtig, dass viele Verfahren sich über Jahre hinzogen und für die Bürger nicht immer transparent waren. Ein Projekt wie die Bike-Arena jedoch kann nicht gegen die Bürger realisiert werden, sie müssen mit einbezogen werden und deshalb ist es gut, so wie es abläuft. Das Thema berührt alle und den Diskussionen, die momentan stattfinden, muss Raum gegeben werden. Um die Diskussion, die derzeit recht emotional geführt wird, zu versachlichen, beauftragte der Gemeinderat die Verwaltung, jetzt mit professioneller Hilfe ein Konzept für den Giersberg zu erstellen. Gleichzeitig werden alle kommunalen Interessengruppen mit einbezogen: der Sportverein, die IG Giersberg, der Schwarzwaldverein, die Kirche. Bis zum Sommer soll dann ein Konzept stehen, wir wollen die Sache nicht auf die lange Bank schieben.
Dreisamtäler: Das Bürgerbegehren ist dann vom Tisch?
Hall: Wie gesagt, ein Bürgerbegehren ist darauf ausgelegt, einen gefassten Gemeinderatsbeschluss zu revidieren. Sollte der Gemeinderat für eine Mountainbike-Strecke an ganz anderer Stelle votieren, wäre das Bürgerbegehren hinfällig. Stimmte der Gemeinderat jedoch für eine Strecke am Giersberg, könnte man in der gleichen Sitzung über die Zulässigkeit des vorweggenommen Bürgerbegehrens entscheiden. Da die IG Giersberg die benötigten Unterschriftenzahl weit überschritten hat, wäre ein Bürgerentscheid zwingend.

Dreisamtäler: Gibt es denn noch andere wichtige Themen in Kirchzarten?
Hall: Allerdings! Da wäre zum Beispiel das Kurgebiet II. Hier hat der Gemeinderat beschlossen, ein neues Baugebiet auszuweisen. Es gibt Bedarf an Bauland, der auch nicht durch eine Innenverdichtung zu decken ist. Da die Lage des Gebiets prägnant ist – es ist der Ortsrand Kirchzartens und nach außen hin gut sichtbar –, hat der Gemeinderat erstmals einen Wettbewerb für ein Baugebiet beschlossen. Anvisiert ist ein Wohngebiet, der Bau eines Hotels neben dem Kurhaus soll dabei möglich sein.
Dreisamtäler: Ein sehr, sehr lang gehegter Wunsch des Gemeinderats …
Hall: Das Potential für ein Hotel wäre da und im Moment gibt es auch einen Interessenten, der ein Hotel bauen würde. Klar ist aber auch, dass die Gemeinde ein Hotel nicht selbst betreiben kann. Wir brauchen dafür einen Betreiber oder Investor. Daran scheiterte die Realisierung eines Hotels in der Vergangenheit.
Dreisamtäler: Bleibt es bei diesem einen neuen Baugebiet oder sind noch weitere geplant?
Hall: Ein Auftrag des Gemeinderates ist es, nach neuen Gewerbeflächen zu suchen. Das Gewerbegebiet „Am Keltenbuck“ ist nach nur sechs Jahren voll. Wir sind trotz hoher Bodenpreise als Gewerbestandort offensichtlich nicht ganz unattraktiv. Es ist nicht gut, nichts mehr in der Hinterhand zu haben, vor allem für die Erweiterung ortsansässiger Betriebe. Wir sehen Möglichkeiten für eine Erweiterung am Fischerain.
Dreisamtäler: Dort, wo die Freie Schule Dreisamtal ist? Liegt das im Interesse der Schule?
Hall: Für eine Erweiterung würde ein Bebauungsplan benötigt. In einem Bebauungsplan könnte man dort ein Sondergebiet „Schule“ festzurren. Das wäre auch ein deutliches Signal dafür, dass wir die Schule wollen und als Bereicherung ansehen.
Dreisamtal: Was macht Kirchzarten als Gewerbestandort attraktiv?
Hall: Es ist zum einen die Verkehrsanbindung an die B 31, aber auch die Nahverkehrsanbindung. Kirchzarten selbst hat kaum Arbeitslosigkeit und die Arbeitnehmer kommen von weiter her. Viele sind froh darum, mit dem Zug fahren zu können. Das ist auch für die Arbeitgeber ein wichtiger Standortfaktor: sie brauchen Arbeitskräfte und die müssen ja auch zur Arbeit kommen.
Dreisamtäler: Die Sanierung der Talvogtei ist nach wie vor ein wichtiges kommunalpolitisches Thema?
Hall: Auf jeden Fall! Der Gemeinderat beschäftigte sich intensiv mit den Perspektiven für das ganze Areal. Es wurden Szenarien entwickelt, in welche Richtung sich der historische Ortskern entwickeln soll. Heruntergebrochen geht es nun um die konkrete Nutzung der beiden Scheunen.
Dreisamtäler: Welche Ideen stehen denn zur Diskussion?
Hall: Nach wie vor gibt es die Idee, die Bücherei mit Mediathek in einer Scheune unterzubringen. Es soll kein Handels-Hotspot dort entstehen, sondern ein sozialer, gesellschaftlicher und kultureller Treffpunkt. Der Prozess ist spannend und noch in diesem Monat sollen planerisch die Weichen gestellt werden.
Dreisamtäler: Im vergangenen Jahr beschäftigte sich der Gemeinderat mit einem Klimaschutzkonzept für Kirchzarten?
Hall: Der erste Schritt war, die Badenova zu beauftragen, eine Bestandsanalyse zu erheben und Kirchzartens Potentiale zu prüfen. Das Ergebnis ist, dass Kirchzarten momentan recht bescheiden dasteht, was die Nutzung regenerativer Energien angeht. Um mehr Klimaschutz zu verwirklichen, müssen wir weitere Schritte gehen. Dies soll zusammen mit den Bürgern stattfinden! Am 21. April findet ein Bürger-Workshop statt, in dem es darum geht, konkrete Konzepte und Projekte für Kirchzarten zu entwickeln: wo können wir ein Nahwärmenetz errichten, wo wäre eine Biogasanlage möglich, welche Potentiale gibt es noch. Das ist sicherlich ein spannender Prozess und ich würde mich freuen, viele Bürger bei dem Workshop begrüßen zu dürfen!
Dreisamtäler: Vielen Dank für das Gespräch!
19.4.2012, Dagmar Engesser, www.dreisamtaeler.de

Bürger-Workshop Klimaschutz!
Anmeldung per Fax (07661 -393 81 21) oder per Mail: w.arndt@kirchzarten.de

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