Bergaeckerfriedhof

Bergäcker Friedhof in Freiburg-Littenweiler, Anfang Januar. Angeregt durch den Leserbrief von Klaus Zimmermann, hat sich Beate Kierey mit Bernhard Keller, Betriebsleiter des städtischen Eigenbetriebs Friedhöfe zu einem Rund-gang getroffen. Schneeflocken fallen aus dem grau verhangen Himmel, es knirscht unter den Füßen und der Blick gleitet über die Grab­stätten. Kalt ist es und angenehm ruhig. „Schön ist der Bergäcker Friedhof“, findet Bernhard Keller, „nach dem Hauptfriedhof der Schönste in Freiburg, nicht nur we­gen seiner Einbettung in den naheliegenden Wald, sondern auch, weil hier eine Würde wahrnehmbar ist, die durch die Parklandschaft spürbar wird. Der Ort lädt zum Verweilen ein. Das liegt besonders am Baumbestand mit den hohen Mammutbäumen, den Birken, Fichten und Schwarz­kiefern. „Von diesem Platz geht eine besondere  Atmos­phäre aus und deshalb greift der Begriff „Totenstätte“ für mich hier zu kurz“, meint Bernhard Keller.

Insgesamt siebzehn Friedhöfe betreut der Städtische Eigen­be­trieb Freiburg und auf allen Friedhöfen ist ein Wandel der Bestattungskultur zu beobachten. So auch auf dem Litten­weiler Bergäcker Friedhof, der 1960 angelegt  wurde und damit den aus dem Jahre 1879 stammenden und zu klein gewordenen “Alten Friedhof“ ersetzte. Doch steht er auch heute noch der Littenweiler Bevölkerung für Bestatt­un­gen zur Verfügung, wobei sich vornehmlich „alt-ein­ge­sess­ene Littenweilermer“ für diesen Friedhof entscheiden, wenn auf ihm traditionelle Familiengräber angelegt sind.

Der 1914 eingemeindete Stadtteil hat sich aufgrund seiner Lage vor allem in den 60er Jahren zu einem bevorzugten und wachsenden Wohngebiet entwickelt. Ging man noch in den 80er Jahren aufgrund der steigenden Zuzugszahlen in dem Stadtteil davon aus, den Friedhof zu erweitern, sind heute unübersehbare Leerflächen entstanden, die ökologisch bewirtschaftet werden und als Langgrasbereich einen Lebensraum für eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt bieten. Die Grünfläche im zentralen und im westlichen Bereich werden von einem Landwirt unterhalten und gemäht. Zudem komme man mit einer öffentlich zugänglich­en Grünfläche auch einem breiten Interesse der Anwohner  nach. 
„Über diese Vorhalteflächen ist man eigentlich froh“, führt Bernhard Keller aus, „denn bei einem Friedhof muss man längerfristig denken.“ Die Kosten zum Erhalt des Friedhofes können nicht nur  über die Bestattungs-Gebühren erfol­gen. Hier trägt auch die Stadt Freiburg im Rahmen des Un­ter­haltungsaufwandes für öffentliche Grünflächen einen An­teil zum Erhalt der Friedhöfe bei. „Früher“ war es normal, Familiengräber einzurichten, die zum Großteil über einen Zeitraum von 30 Jahren von den Angehörigen gepflegt wurden. Doch heute leben die Angehörigen immer weniger an dem Ort, an dem sich das Grab der Familie be­fin­det. Teilweise machen Gräber deshalb einen ungepflegten Eindruck, aber das sieht Bernhard Keller differenzierter. „Oft sind es die heutigen Lebensumstände, die dazu führen, dass ein Grab schlecht gepflegt wird.“ Im Vergleich zu früher – ist heute die Mindestbelegungszeit, laut Bestattungsrecht Baden-Württemberg, auf 15 Jahre für ein Grab fest­gesetzt. Beim Gang über den Friedhof fallen sorgsam gepflegte Wahl­gräber und Reihengräber auf, besonders berührend ist das Kindergrabfeld.

Im Jahr 2008 hat man sich zu der Einrichtung eines Baumbe­statttungs-Bereichs entschlossen, um dem Wunsch nach einer allgemein veränderten Bestattungskultur nachzukommen. „Das Baumfeld stellt eine Reaktion auf die Ruhe­wald-Entwicklung und eine längst überfällige Bereicherung zu den anonymen Bestattungen dar“, führt Keller aus. Hier können Angehörige ihre Verstorbenen unter schönen alten Bäumen bestatten, und auf Wunsch eine Schriftplatte mit den persönlichen Daten des Verstorbenen einbringen. Eine Bepflanzung und zeitaufwendige regelmäßige Pflege fällt hier weg, denn es gibt eine zentrale „Ablegestelle“ für Grab­lichter, Blumen oder Gestecke.   Anschließend besuchen wir die „Ewigkeitsgräber“. Diese werden für 40 Jahre im Voraus bezahlt und unterliegen einem ständigen Pflegegebot.
Die Grabsteine sind im Besitz der Angehörigen, diese verpflich­ten sich, nach Ablauf der Nutzungszeit, die Steine evtl. durch einen Steinmetz abräumen zu lassen. Diese Steine werden dann in einer Mulde entsorgt. Eine Aufarbeitung eines alten Steins durch einen Steinmetz zeigt sich oft als viel zu aufwändig und kostenintensiv. Zudem unterliegen Grab­steine und deren Material auch Modetrends; das Material “alter“ Steine ist dann oft einfach nicht mehr gefragt. (Diese Aussage bestätigen einige Steinmetze!) Bei kulturhistorisch wertvollen Steinen, die als Grab-Denk­male gelten, bietet die Friedhofsverwaltung die Möglichkeit einer Grabpatenschaft an. Mit ihr versichert man, das Grab weiterhin zu pflegen und dessen  „Verkehrssicherheit“ zu ge­währleisten. Für ein derartig gepflegtes Grab kann dann auch das Nutzungsrecht erworben werden. „Ich freue mich über jeden Grabstein, der auf dem Friedhof verbleibt, die Initiative besitzt unsere volle Zustimm­ung“, betont Keller. Der Erhalt der Friedhofskultur ist auch ein Anliegen des Fördervereins zur Förderung der Friedhofs­kultur.  
4.2.2013, Beate Kierey, Littenweiler Dorfblatt

 

Alte Grabsteine gegen Gebühr stehen lassen
Unsere Gesellschaft befindet sich in ständigem Wandel, der sich mehr und mehr auf unsere Friedhofsgestaltung auswirkt: die Familien und die Verwand­tschaften werden kleiner, die Sesshaftigkeit vergangener Zeiten schwindet zuneh­mend, Erdbestattungen werden seltener, Urnenbestattungen nehmen zu, anonyme Bestattungen und Seebestattungen gibt es öfters. Ein weiterer Grund für den Wandel unseres Friedhofes sind die Friedhofsge­bühren. Da die Friedhofsverwaltung an­gehalten ist, ein Großteil der Fried­hofskosten über die Grab­gebühren zu decken, entfallen auf die weniger werdenden Gräber immer höhere Gebühren. Dies führt dazu, dass immer mehr Gräber nach Ablauf der Belegungsfrist von den Angehörigen auf­ge­geben werden. Ist das Grab ab­ge­räumt, hat die Friedhofsverwaltung keine Ein­nahmen mehr, sondern nur noch Kosten für die Rasenpflege. Dies hat dazu geführt, dass unser Bergäckerfriedhof sich mehr und mehr in einen Park mit Gräbern wandelt. Zurück bleibt ein Stück Rasen, das die Fried­hofsverwaltung zu pfle­gen hat. DAMIT BESEITIGT DIE STADT FREIBURG EINEN TEIL IHRER JÜNGSTEN GESCHICHTE! Diese Gedanken kamen mir, als ich neulich die Grabstätte von Karl Litterst, einem Freund meines Vater, vergeblich such­te. Herr Litterst leitete eine große Freiburger Schule, er­hielt das Bundesverdienstkreuz und war Stadtrat. Er verstarb 1985. Ich bedauere sehr, dass sein Grab inzwischen ab­geräumt ist und zu einer Grünfläche wurde.
Wie könnte die Lösung aussehen? Die Grabsteine werden nicht entfernt, son­dern bleiben gegen eine geringe Gebühr be­stehen. Sollte der Platz benötigt werden, so kann der Grab­stein immer noch entfernt werden. Den Hinterbliebenen blieben die Kosten der Entfernung des Grabsteins zu­nächst erspart und die Friedhofsverwaltung hätte weitere Ein­nahmen! Hätte es früher bereits die heutige Gebührenpolitik der Stadt gegeben, so gäbe es in Freiburg den Alten Friedhof an der Karlstraße schon lange nicht mehr. Vielleicht lässt sich an der sich anbahnenden Geschichtslosigkeit unseres Friedhofes noch etwas ändern? Ich bitte Sie höflich um Ihre Mithilfe. Nun geht mir noch ein anderer Gedanke durch den Kopf. Auf Kosten der Hinterbliebenen werden die alten Grabsteine von den Steinmetzen beseitigt. Irgendwo müssten folglich Hunderte von alten Grabsteinen gelagert sein. Aber wo ist diese Lagerstätte? Oder werden die alten Grabsteine von den Stein­metzen wieder aufbereitet und erneut verkauft? Dies wäre allerdings eine glänzende Geschäftsidee, denn Grabsteinrohlinge sind teuer!
4.2.2013, Klaus Zimmermann, Freiburg-Waldsee

 

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