Baukultur Schwarzwald, Badweiher, Arbeitsplaetze, Energie, HTG in StPeter

Der Dreisamtäler im Gespräch mit Rudolf Schuler, Bürgermeister in St. Peter
Dreisamtäler: Herr Schuler, im letzten Jahr war St. Peter ein gespaltenes Dorf. Gegner und Befürworter eines Lebensmittelmarktes auf der Doldenmatte standen sich unversöhnlich gegenüber. Wie ist die Situation heute?
Schuler: Ja, dieses Thema hat lange Jahre für Furore gesorgt. Im Oktober des letzten Jahres fand dazu ja ein Bürgerentscheid statt. Die Wahlbeteiligung von 74,8 % zeigte noch einmal, dass das Thema die Bürger bewegte. Das Ergebnis – nämlich 68 % der Bürger sprachen sich für einen Markt auf der Doldenmatte aus – hat nicht nur mich, sondern auch den Gemeinderat in seiner Politik bestärkt, nämlich die Grundversorgung durch einen größeren Markt in St. Peter sicher zu stellen.
Dreisamtäler: Wie geht es nun weiter?
Schuler: Der Gemeinderat hat unmittelbar nach dem Bürgerentscheid einen Aufstellungsbeschluss für einen vorhabensbezogenen Bebauungsplan beschlossen und momentan läuft ein Architektenwettbewerb, an dem sich fünf Büros beteiligen. Ausgewählt wurden auch Architekturbüros, die sich im Bereich Baukultur Schwarzwald ausgezeichnet haben, denn dem Investor und der Gemeinde ist daran gelegen, dass das Gebäude sich harmonisch einfügt. Es muss zum Kloster passen und in den Schwarzwald.
Dreisamtäler: Wer finanziert diesen Wettbewerb?
Schuler: Der Investor! Über einen städtebaulichen Vertrag wurde vereinbart, dass er die Kosten für Planung und Verfahren trägt. Für die Gemeinde entstehen keinerlei Kosten. Anfang Juli werden die verschiedenen Modelle aus dem Architektenwettbewerb der Öffentlichkeit vorgestellt und die Entscheidung wird über ein Preisgericht gefällt.
Dreisamtäler: Dann kann der Baubeginn dann noch in diesem Jahr sein?
Schuler: Ziel ist Baubeginn im Frühjahr 2013.
Dreisamtäler: Ist das Dorf jetzt befriedet?
Schuler: Es ist wesentlich ruhiger geworden! Aber trotz der lange schwelenden Konflikte gab und gibt es in St. Peter auch ein enormes bürgerschaftliches Engagement. Jüngstes Beispiel ist der Spielplatz am Badweiher, der von dem Gewerbeverein Handel, Tourismus und Handwerk HTH initiiert wurde. Für den Bau dieses Spielplatzes waren 80.000,- Euro veranschlagt, wir kamen letztlich mit unter 40.000,- Euro hin. Der HTH und die Gemeinde riefen eine Spendenaktion ins Leben, bei der nicht nur 20.000,- Euro zusammenkamen, viele ortsansässige Firmen und Vereine brachten ihre Arbeitskraft dort ein und halfen so tatkräftig, Geld zu sparen!
Dreisamtäler: Der Badweiher ist etwas Besonderes, es ist ein kleines Naherholungsgebiet für St. Peter. Schön, wenn Bürger oder der HTH hier Verantwortung übernehmen.
Schuler: Stimmt, davon lebt eine Dorfgemeinschaft! Deshalb wollen wir als Gemeinde Handel und Gewerbe hier vor Ort auch unterstützen und stärken. Wir befinden uns derzeit in der Offenlage des Bebauungsplanes für eine Erweiterung des Gewerbegebietes. Dort soll es vier oder fünf weitere Bauplätze für das heimische Gewerbe geben. Der Bedarf besteht und es liegen auch schon Bewerbungen vor. Allerdings ist es ein langwieriger Weg, da St. Peter mitten im Landschaftsschutzgebiet liegt. Aber ich bin zuversichtlich, dass im nächsten Jahr das Gewerbegebiet in Richtung Osten erweitert werden kann.
Dreisamtäler: Sie wollen damit auch die Infrastruktur vor Ort stützen?
Schuler: Es geht darum, Arbeits- und Ausbildungsplätze in St. Peter zu erhalten. Deshalb versucht die Gemeinde, die Grundstücke zu günstigen Preisen abzugeben. Eine weitere Maßnahme zur Förderung der Infrastruktur ist die Ausweisung eines kleinen Baugebiets bei der Soldatenkapelle. Noch in diesem Jahr können wir sechs jungen Familien Bauplätze für Ein- oder Zweifamilienhäuser anbieten. Wir wollen damit die im Schwarzwald weit verbreitete Abwanderung junger Familien verhindern. Bleiben sie hier, dann können auch Kindergarten und Schule erhalten werden.
Dreisamtäler: Stichwort Schule: im vergangenen Jahr haben Sie über die Einrichtung einer Gemeinschaftsschule nachgedacht.

Schuler: Die Schullandschaft wird sich in den nächsten Jahren verändern. Die neue Landesregierung schaffte die Grundschulempfehlung ab und ermöglichte gleichzeitig die Entwicklung neuer Schulformen. Hinzu kommen abnehmende Kinder- und Jugendzahlen. Die Schulen werden künftig verstärkt um Kinder konkurrieren. Wir haben nun beschlossen, die Hauptschule in eine Werkrealschule, die inzwischen auch einzügig möglich ist, umzuwandeln. Die Kooperation mit St. Märgen besteht nach wie vor, das heißt, dass die Klassen fünf und sechs in St. Märgen und die Klassen sieben, acht und neun in St. Peter unterrichtet werden.

Dreisamtäler: Und wo bleibt das 10. Schuljahr?
Schuler: Das findet in Kirchzarten statt. Für St. Peter verändert sich im Vergleich zur Hauptschule vor allem der Lehrplan, denn es muss gewährleistet sein, dass der Übergang in die 10. Klasse klappt. Wir hoffen damit die Schule hier im Dorf erhalten zu können. Das funktioniert aber nur, wenn die Eltern mitspielen.
Dreisamtäler: Die Idee der Gemeinschaftsschule ist damit vom Tisch?
Schuler: Sie ist sowohl von Schule als auch von den Schulträgern hier vor Ort als nicht machbar angesehen worden.
Dreisamtäler: Klimaschutz und der Einsatz erneuerbarer Energien ist landesweit ein wichtiges Thema. Als Bioenergiedorf ist St. Peter auf diesem Weg schon sehr weit.
Schuler: Das was in St. Peter realisiert wurde, ist modellhaft! An die 2010 errichtete Fernwärmeheizung sind neben den öffentlichen Gebäuden und dem Geistlichen Zentrum inzwischen 167 Häuser angeschlossen. Die genossenschaftlich organisierte „Bürgerenergie“ plant nun zusätzlich zur Hackschnitzelanlage ein Holzvergaser-Blockheizkraftwerk (BHKW) zu installieren, mit dem neben Wärme auch Strom erzeugt werden kann. Dies ist ein Pilotprojekt, da Holzvergaser-BHKWs sich noch in der Entwicklungsphase befinden. Deshalb gibt es dafür auch entsprechende Zuschüsse.
Dreisamtäler: Beschäftigt Sie das Thema Windkraft oder ist das in St. Peter ausgereizt?
Schuler: Das ist ein großes Thema! Bisher war der Regionalverband für die Regionalplanung und die Ausweisung von Windkraftstandorten zuständig. Das neue Landesplanungsgesetz verlagert die Zuständigkeiten nun und bricht sie herunter auf Gemeindeebene. Deshalb untersuchen St. Peter, St. Märgen und Glottertal als Gemeindeverwaltungsverband derzeit mögliche Windstandorte. Berücksichtigt werden müssen neben der Windhöffigkeit u.a. Gesichtspunkten auch der Landschafts- und Naturschutz. Grundsätzlich stehen wir der Windkraftnutzung positiv gegenüber!
Dreisamtäler: In St. Peter stehen ja schon seit den 90er Jahren Windräder…
Schuler: … die ca. zehn Millionen Kilowattstunden Strom im Jahr erzeugen, mehr als St. Peter verbraucht! Sie stehen gebündelt im hinteren Hochwald, also auf der Platte, vier sind im Betrieb und zwei weitere befinden sich im Genehmigungsverfahren. Der Investor dort ist die Regiowind, deren Geschäftsphilosophie ja auch die finanzielle Beteiligung der Bürger vor Ort ist.
Dreisamtäler: Im vergangenen Jahr ging St. Peter eine Kooperation mit der Hochschwarzwald Tourismus GmbH (HTG) ein. Hat sich das auf den Tourismus in St. Peter ausgewirkt?
Schuler: Wir haben im letzten Jahr kräftig zugelegt. 13 % mehr Gästeankünfte, 9 % mehr Übernachtungen und konnten die 120.000-Übernachtungsmarke knacken. Von daher ist die Kooperation der richtige Weg. Beide profitieren davon: die HTG ist eine starke Werbeplattform für uns und wir bringen das Kloster als Magnet und Sehenswürdigkeit mit ein. Alleine bei den Führungen registrieren wir jährlich zwischen 12.000 bis 15.000 Besucher.
Dreisamtäler: Herr Schuler, vielen Dank für das Gespräch!

Mit Rudolf Schuler unterhielt sich Dagmar Engesser, 10.5.2012,  www.dreisamtaeler.de

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