Bahnuebergang Ampelschaltung

Sie haben die Frage gestellt, warum die Schranken am Bahnübergang (BÜ) Kappler Knoten bei Zügen aus Richtung Kirchzarten nur sehr kurz geschlossen sind, während sie bei Zügen aus Richtung Freiburg bereits geschlossen werden, wenn der Zug erst in die Station Littenweiler einfährt und dort noch anhält. Für den Autofahrer ist das zugegebenermaßen etwas lästig und erscheint auf den ersten Blick unsinnig. Doch dass die BÜ-Schaltung so ist, wie sie ist, hat gute Gründe. Um diese aber als Laie zu verstehen, muss ich schon etwas weiter ausholen und einige Zusammenhänge des Bahnbetriebs erklären:
Der BÜ Kappler Knoten ist ein automatischer Bahnübergang mit Halbschranken, bei dem der Schließvorgang der Schranken vom Zug ausgelöst wird, indem der Zug einen im Gleis liegenden Kontakt überfährt. Für den BÜ Kappler Knoten liegt dieser Kontakt im Falle der aus Freiburg Hbf bzw. Wiehre kommenden Züge vor der Station Littenweiler, für die Züge aus der Gegenrichtung liegt er im Bereich Brückmühle. Die örtliche Lage der BÜ-Kontakte ist dabei von der DB keineswegs willkürlich gewählt, um etwa Autofahrer zu ärgern, sondern sie wird maßgeblich von zwei Faktoren bestimmt: Von der zulässigen Höchstgeschwindigkeit der Bahnstrecke (im konkreten Fall 100 km/h) sowie der sogenannten „Annäherungszeit“ ab. Die Annäherungszeit ist die Zeit, die ein Zug bei Fahrt mit Streckenhöchstgeschwindigkeit vom Einschaltpunkt (Gleiskontakt) bis zum BÜ benötigt. Innerhalb dieser Annäherungszeit muss gemäß den Vorschriften die Sicherung des BÜ stattfinden, d.h. Vorleuchtzeit (Gelb- und Rotausleuchtung der Lichtzeichen am Andreaskreuz; mind. 12 sek), Schließzeit der Schrankenbäume (je nach Schrankenlänge 6-10 sek) sowie eine anschließende Restzeit als Puffer bis zum Eintreffen des Zuges (mind. 8 sek). Die Dauer der Annäherungszeit kann je nach Örtlichkeit und Verkehrsverhältnissen variieren, muss nach den Vorschriften aber immer mindestens 26 sek betragen.
Die Lage des BÜ-Kontakts muss also so gewählt werden, dass die Annäherungszeit des Zuges bis zum BÜ in jedem Fall im Rahmen der Vorschriften gewährleistet ist. „In jedem Fall“ heißt herbei logischerweise: Es muss bei der Berechnung der Lage des BÜ-Kontakts, an dem der Zug die Schließung des BÜ auslöst, stets von der zugelassenen Streckenhöchstgeschwindigkeit ausgegangen werden.
Und damit sind wir beim entscheidenden Punkt angelangt: Im Falle des BÜ Kappler Knoten liegt der BÜ-Kontakt für die Züge aus Richtung Freiburg Hbf/Wiehre gemäß den oben beschriebenen Vorgaben eben genau VOR der Station Littenweiler, durch Streckenhöchstgeschwindigkeit und vorgeschriebene Annäherungszeit exakt berechnet und festgelegt. Dass in Littenweiler alle planmäßigen Regionalbahnen nochmals anhalten, bevor sie den BÜ Kappler Knoten erreichen, ist hierbei völlig irrelevant, denn es muss ja die Annahme zugrunde gelegt werden, dass es auch Züge geben kann, die in Littenweiler eben nicht anhalten, sondern mit Streckenhöchstgeschwindigkeit durchfahren (die Station Littenweiler ist bahnbetrieblich betrachtet nur noch ein Haltepunkt auf freier Strecke). Solche durchfahrenden Züge gibt es auf der Höllentalbahn auch tatsächlich, sie sind zwar selten, aber es gibt sie – Leerfahrten, Überführungsfahrten, Sonderfahrten, Arbeitszüge, Messzüge etc. Bei Zügen, die in Litttenweiler ohne Halt mit 100 km/h durchfahren, sind die Schranken dann übrigens genau so kurz geschlossen wie bei den Zügen aus Richtung Kirchzarten – die DB hat hier also folglich auch nichts falsch gemacht.
Damit wäre auch Ihre Frage eindeutig beantwortet: Eine kürzere Schließzeit der Schranken am BÜ Kappler Knoten ist bei Zügen aus Richtung Freiburg, wenn sie in Littenweiler anhalten, technisch nicht möglich. Oder haben Sie Alternativvorschläge? Darauf wären ich und sicherlich auch die DB gespannt!
16.12.2012, Christian Wolf, Redakteur der Zeitschrift “Eisenbahn-Kurier”, Freiburg

Dieser Beitrag wurde unter Eisenbahn abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort