Bad Littenweiler Kyb- Stahlbad

„Die ‚Alten‘“ erinnert sich Günther Kotterer „saßen abends gerne am plätschernden Dorfbrunnen und der Dorfbach murmelte im Hintergrund“. Mit seinem Vater, Albert Kotterer, der bis 1946 den Hof auf St. Barbara führte, weilte er dort hin und wieder. Inzwischen stehen die Bänke auf der gegenüberliegenden Straßenseite am Wegkreuz. Zum Verweilen und Erfrischen dienen der Dorfbrunnen und der Brunnen „Im Winkel“ noch immer, vor allem an heißen Tagen, wenn die Schulkinder nach Schulschluss die Sonnenbergstraße hochgehen oder -fahren müssen. Der Eichberg, der sich südwestlich hinter dem ehemaligen Littenweiler Dorfkern erhebt, war schon immer ein „wasserreicher“ Berg. Ohne das lebensnotwendige Wasser und eine Quelle hätte sich sonst schon 1499 kein Eremit auf dem Eichberg nieder gelassen und wären danach keine Allmendweiden für das Vieh entstanden. Das Wasser trat auf seinem Weg talwärts mehrfach als „Quelle“ in Erscheinung, wurde dann gefasst und versorgte u.a. zwei Brunnen.
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Im Stahlbad gibt es ebenfalls eine stark wasserführende Quelle. „Die Quelle bringt am Tag ca. 20.000 Liter Wasser“, führt der Haustechniker Helmut Vogt aus. Er öffnet dabei eine große Metallplatte, die mit einer Leiter zur unterirdischen Quellfassung hinab führt. Diese ist fünf Meter tief mit Wasser gefüllt und wurde auf sechs Metern Länge in den Berg hinein gebaut. Dieses eisen- und mineralhaltige Wasser kam in der Bäderabteilung zum Einsatz. Seit den 1830er Jahren besuchten Heilungssuchende mit chronischen Krankheiten und Erholungsbedürftige das Stahlbad. Bereits 1466 wird das Kybbad in Kleinen Tal zu Kappel erwähnt – beide Bäder gehörten damit zu den zahlreichen „Bauernbäder“ jener Zeit. 1841 taucht das Stahlbad mit seiner eisenhaltigen Quelle auch in einem Bäderverzeichnis auf, aus dieser Zeit stammt auch das im Baustil des Romantischen Historismus erbaute Hauptgebäude. In einem längst vergriffenen Flyer des Stahlbad heißt es weiter: „Karl Hensler, im Juli 1860 als Besitzer nachgewiesen, lässt die Quelle neu fassen, um das „Beifließen“ gehaltlosen Wassers zu verhindern“. Später werden Mina Steiert, geborene Grether, und Eine Erfrischung für Jung und Alt bietet der Brunnen „Im Winkel“. ihr Schwiegersohn Julius de Crignis die Geschicke des Stahlbads lenken. Im Jahr 1920 geht das Stahlbad an die Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern vom III. Orden des hl. Franziskus in Gegenbach über. Das Kurhaus dient vorerst den älteren Schwestern als Heim, ab September 1938 wird es für erholungsbedürftige Gäste geöffnet (Über die wechselvolle Geschichte berichtet das Dorfblatt August/September 2011, Heft 4, 17. Jahrgang). Das „Fremdenbuch“ aus dem Jahr 1938 verzeichnet sogar Gäste aus dem benachbarten Straßburg, aus Düsseldorf, Danzig oder Frankfurt an der Oder, die zum Kuren nach Littenweiler kamen. Im Laufe der Zeit und mit einigen Umbaumaßnahmen (wie z.B. 1988) wird das Stahlbad mit seiner Badeeinrichtung und seinem Pflegeheim modernisiert. Jedoch wird die Badeabteilung mit den umfangreichen Anwendungen an medizinischen Bädern (Sauerstoff-, Kohlensäure-, Luftperlbäder und Unterwassermassagen) zum Jahresende 2009 geschlossen. Gründe lagen in den abnehmenden Verordnungen zu ambulante Badekuren und in den steigenden Kosten, das Wasser den gesetzlichen Vorgaben entsprechend aufzubereiten. Durch den anschließenden Umbau der Bäderabteilung kamen drei Bewohnerzimmer hinzu, sodass jetzt insgesamt 48 Zimmer für Bewohnerinnen und Bewohner zur Verfügung stehen. Das Wasser der Quelle wird jedoch immer noch genutzt: Haustechniker Helmut Vogt wässert damit den Ziergarten, der einst ein großer Nutzgarten zur Versorgung der Bewohner und Gäste war. Einzig „die Gladiolen mögen das eisenhaltige Wasser nicht so gern“, führt Vogt aus. Der blühende Garten mit Säuleneichen, Blutpflaumen und Zierapfelbäumen ist wie eine erfrischende Oase für die Senioren und die Anwohner. Aber auch hier wird es Veränderungen geben.

Massive Bauvoranfrage – Neubau eines Mittel- und Erweiterungsbaues des Stahlbads
Die Anwohner „Im Winkel“ haben im Juli 2015 eine Bauvoranfrage vom Baurechtsamt erhalten: „Gebäudeabbruch, Neubau eines Mittel- und eines Erweiterungsbaues (90 stationäre Pflegeplätze), Umbau des Hauptgebäudes mit Einbau von betreuten Seniorenwohnungen und Verwaltung (Bauvoranfrage der Franziskanerinnen v. Göttlichen Herzen Jesu) Ob die Quelle dem Stahlbad dann noch zur Verfügung stehen wird?

Das Wasser nimmt seinen Weg bis in die Dreisam Die Brunnen „Im Winkel“ und am alten Dorfplatz, schreibt Klaus Rode (Leitung Wasser & Abwasser, bnNETZE GmbH) „liegen [heute] im Aufgabenbereich des Garten- und Tiefbauamtes. Wir liefern teilweise Wasser an die Brunnen.“ Das Wasser aus der Quelle des Stahlbads fließt unter dem Gebäude in den (Littenweiler) Dorfbach ein, läuft unterirdisch unter der Lindenmattenstraße hinab zur Heinrich-HansjakobStraße und taucht noch einmal kurz sichtbar an den Wurzeln der großen Eiche, (Ecke Jahnstraße), auf, bis es dann unterirdisch seinen Weg in die Dreisam nimmt. Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass die heutige „Lindenmattenstraße“ einst den Namen „Wassergass“ getragen hat.
7.8.2015, Beate Kierey, Littenweiler Dorfblatt

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