AOK: Depressionen nehmen zu

Der Krankenstand in Freiburg und Landkreisen BH und EM ist nach einer Analyse der AOK Südlicher Oberrhein konstant. Jeder Zweite war 2012 mindestens einmal krank. Die psychischen Krankheiten mit Depresssion als drittgrößte Gruppe sind erschreckend hoch: 11,1 % der Fehltage.
“Von 1000 Beschäftigten in der Region waren im vergangenen Jahr täglich 43 aus gesundheitlichen Gründen arbeitsunfähig”, erklärt Wolfgang Schweizer, Geschäftsführer der AOK Südlicher Oberrhein. “Mit 49,5 Prozent war fast jeder Zweite mindestens einmal krankgeschrieben.” Auffallend sei, dass mit einem Anteil von 11,1 Prozent an allen Krankheitstagen die psychisch bedingten Fehlzeiten die drittgrößte Gruppe darstellen (landesweit 10,3 Prozent). Die durchschnittliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit liegt in diesem Bereich bei 25,3 Tagen, informiert die AOK in einer Pressemitteilung und bestätigt damit den Landestrend.

Fast die Hälfte aller psychisch bedingten Arbeitsunfähigkeitstage ging auf depressive Episoden (über eine Dauer von mehreren Wochen anhaltende Symptome einer Depression) und Belastungsstörungen zurück. Große Chancen sieht Schweizer in der Prävention. “Betroffene können selbst viel zur Besserung ihres Zustandes beitragen”, erklärt der Krankenkassenchef. “Entscheidend ist, dass es gelingt, das Leben aktiver zu gestalten.” Wissenschaftlich gesichert sei, dass Sport und Bewegung einen Krankheitsverlauf positiv beeinflussen können. Sportarten wie Laufen, Walken oder Yoga sind ihm zufolge besonders geeignet, um die Stimmung aufzuhellen. Betroffene hätten oft das Gefühl, die Kontrolle über ihren Alltag zu verlieren. Von Bedeutung sind für Peter Bolanz, Spezialist für betriebliches Gesundheitsmanagement, deshalb auch die hohe Arbeitsdichte sowie anhaltender Zeit- und Termindruck. “Viele schaffen es nicht, Arbeit und Freizeit zu trennen”, so Bolanz. Die digitale Arbeitswelt erlaubt es, auch zuhause nach Feierabend oder am Wochenende zu arbeiten. Man glaube, immer und überall erreichbar sein zu müssen. Kopfschmerzen, Niedergeschlagenheit und Erschöpfung seien oft die Folge. Bolanz: “Man muss sich selbstkritisch fragen, ob dieses Engagement tatsächlich von einem erwartet wird. Wir sollten erkennen, dass wir nicht unentbehrlich sind. Handy und Computer ausschalten sind wichtige Schritte in die richtige Richtung. Hier sind auch die Führungskräfte gefragt, ihnen kommt eine wichtige Vorbildfunktion zu.” Die Vorsorge am Arbeitsplatz hält die AOK für einen wichtigen Ansatzpunkt, deshalb stellt sie Firmen spezielle Instrumente der Krankenstandsanalyse zur Verfügung. Wichtig sei aber auch, dass die therapeutische Versorgung von Erkrankten zeitnah sichergestellt wird. Fast jeder vierte Krankheitstag ist auf Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems zurückzuführen. Damit nehmen die Rückenleiden mit einem Anteil von 23,2 Prozent an allen Krankheitstagen die Spitzenstellung ein, gefolgt von den Krankheiten des Atmungssystems (11,2 Prozent). Mit jeweils 11,1 Prozent liegen psychische Störungen und Verletzungen gleichauf.
2.12.2013, AOK, http://www.aok.de/baden-wuerttemberg/die-aok/5996.php

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