Antisemitismus-Film Arte-WDR

Der Film „Auserwählt und ausgegrenzt – der Hass auf Juden in Europa“ wurde von ARTE und WDR erst nach Veröffentlichung auf Bild.de sowie Youtube am 21. Juni 2017 um 22.15 Uhr gesendet. “Wer für Juden andere (sprich strengere) Maßstäbe ansetzt als für andere Völker dieser Welt, der ist ein Antisemit”, wobei der Antisemtismus ideologisch (rechts, links) oder religiös (Islam) begründet sein kann.
Laut einer Umfrage von 2015 ist antisemitische Gesinnung wie folgt verteilt:
- Deutschland: Einheimische 12 % und in Deutschland lebende Muslime 56 %
- Frankreich: Einheimische 20 % und in Frankreich lebend Muslime 69 %.
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Zu diesen von Prof. Wolffsohn bei Maischberger (Ard, 21.6.2017, ab 23.45 Uhr) genannten Zahlen: Der rechte wie linke Antisemitismus der Deutschen ist konstant bzw. eher rückläufig (hier ist “Deutschland innerhalb der EU erfreulicherweise Schlußlicht”), während der muslimische Antisemitismus weiter stark wächst.
Michael Wolffsohn (München) unterschied vier D’s des Antisemitismus:
– Dämonisierung der Juden: Finanzmärkte, Vergiftung des Wassers
– Delegitimierung der Juden: Existenzrecht der Juden, auch in Israel, wird negiert.
– Doppelter Standard: Israel stets als Buhmann, Gesetzesverstöße anprangern.
– Diaspora-Juden als verlängerter Arm des Staates Israel.
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Ahmad Mansour (Berlin): “Muslimischer Antisemitismus hat nichts mit dem Nahostproblen zu tun, sondern mit dem Islam und der religiös-traditionellen Erziehung. Junge Muslime in Deutschland, die in ihrer Sozialisation den Juden als Feind sehen, machen Juden für alles Elend der Welt verantwortlich. Deshalb ihr Hass auf Demos in Berlin, wobei zwischen Juden und Israel nicht unterschieden wird. Viele junge Muslime glauben den im Internet verbreiteten Verschwörungstheorien… Wir dürfen in Deutschland den Hass nicht vererben.”
Film auf Youtube: https://www.youtube.com/watch?v=I0ffyhZ2_TE
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Warum wurde der Film von Arte und WDR so lange zurückgehalten (in den Medien um den ÖR fiel das Wort Zensur)? Wohl nicht wegen journalistisch-handwerklicher Fehler. Eher weil darin nicht der rechte, sondern der muslimische Antisemitismus als Hauptproblem in Westeuropa genannt wird – und dieser wird mit der Migrationswelle aus dem islamisch-arabischen Raum zunehmen.

http://www.freiburg-schwarzwald.de/blog/antisemitismus-und-migration/
22.6.2017
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Diskussion zum Film bei Maischberger
Überhaupt moderierte Maischberger überlegen; führte immer wieder zur Kernfrage zurück: Gibt es einen steigenden Antisemitismus in Europa, der Juden als verlängerten Arm der angeblich übermächtigen „Zionisten“ zu legitimen Zielen der Gewalt erklärt? Eine Frage, die der am gleichen Tag im Bundestag diskutierte Bericht der Expertenkommission zum Antisemitismus ohne Wenn und Aber bejaht, der aber Pörzgen, Blüm und Verleger immer wieder ausweichen wollten. Typisch war folgender Wortwechsel:
Rolf Verleger: „Ahmad Mansour kehrt als Moslem vor seiner eigenen Tür und kritisiert den Antisemitismus. Das müssen wir Juden auch tun und Israels Politik kritisieren.“
Ahmad Mansour: „Warum? Warum müssen sich deutsche Juden für Israel verantwortlich fühlen?“
Verleger: „Der Zentralrat der Juden kritisiert nie Israel.“
Mansour: „Warum sollte er das tun?“
Dass ein deutscher Palästinenser einen deutschen Juden darauf hinweisen muss, dass es keine Kollektivschuld der Juden gibt für die vermeintlichen oder wirklichen Untaten Israels, das gehörte zu den erhellenden Momenten dieses Abends. ….
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Untersuchungen zur Darstellung des Konflikts in deutschen Schulbüchern ergeben, dass sie erschreckend einseitig sind und die Israelis ausschließlich als Täter, die Araber als Opfer darstellen. …
Alles vom 22.7.6.2017 auf
https://www.welt.de/vermischtes/article165784062/Muss-ein-Film-gegen-Antisemitismus-in-Europa-pro-juedisch-sein.html
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Ich habe den Film vorher und nach der Bearbeitung von der ARD, mit Kommentaren und Schrifttafeln, gesehen und ich muss sagen: Danke für das neue betreute Fernsehen. Die Diskussion war eigentlich im üblichen Schema. Drei dagegen (Blüm, Verleger, Pörzgen) und zwei dafür Wolffsohn, Mansour), mit einer Moderatorin, die auch langsam ans Aufhören denken sollte. Wolffsohn ist wirklich ein Experte, dem man auch gerne zuhört, da er das mit Leib und Seele ist. Mansour traf oft mitten in die Wunde, was von Blühm und den anderen Gegnern des Films, sofort in eine andere Richtung getrieben wurde. À propos Blüm. Bei dem hatte ich manchmal den Verdacht, er lebt nur noch in seiner Politischen Vergangenheit, ausserdem, ihm zu folgen war oft schwer, da er manchmal, glaube ich, nicht mehr weiss, was er im Satz vorher gesagt hat. Pörzgen und Verleger waren wie zwei sture Kinder, die auf keinen Fall von ihrer Meinung zurückweichen wollten. Noch ein Wort zu Schönenborn. Dieser Mann biss sich derartig stark auf seine Lippen, dass man seine Wut deutlich sehen konnte. 22.6.2017, Ed S., WO
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Hass auf Juden in Europa – Diskussion Grimme-Institut
Die öffentliche Debatte um die Dokumentation „Auserwählt und ausgegrenzt – der Hass auf Juden in Europa“, die von ARTE und dem WDR bisher nicht ausgestrahlt wurde und die Das Erste am 21. Juni 2017 senden will, hält an. „Diese Debatte wollen wir aufgreifen und aus der Grimme-Perspektive – der Qualität und publizistischen Verantwortung – mit den Machern, den Verantwortlichen und den Gästen diskutieren“, so die Direktorin des Grimme Instituts, Dr. Frauke Gerlach. Denn das Verhalten der Senderverantwortlichen, die kritische Bewertung des Inhalts der Dokumentation sowie ihre Veröffentlichung auf der Internetseite der Bild werfen Fragen nach der Verantwortung der Medien auf, die im Spannungsfeld zwischen Programmauftrag, redaktioneller Freiheit und gesellschaftlicher Verpflichtung agieren. Zugleich geht es um Fragen der Qualität und des journalistischen Handwerks: Welche Maßstäbe gilt es hier anzusetzen?
Film in Bonn am 22.6.2017 ab 17.30 Uhr und Diskussion ab 19 Uhr (im WDR)
http://www.grimme-preis.de/h/news/d/einladung-zur-diskussionsrunde-zu-umstrittener-tv-doku/

Rechter, linker sowie muslimischer Antisemitismus
Die Welt: In der Tat. Aber indem wir uns hier über Rechte und Linke unterhalten, laufen wir Gefahr, den Gorilla im Raum zu übersehen.
Yesilgöz: Zu ihm komme ich jetzt. Die dritte Gruppe besteht aus bestimmten Gruppen innerhalb der muslimischen Minderheit. In ganz Europa haben wir gesehen, dass diese Leute Gewalt gegen Juden ausüben. Aber wir erleben das Problem auch auf anderen Ebenen. So heißt es, dass in Amsterdam manche Lehrer Angst haben, in der Klasse über den Holocaust zu reden….. Mit Sicherheit aber wird der Antisemitismus einerseits gewalttätiger und zugleich andererseits salonfähig. In bestimmten Kreisen gilt die antisemitische „Israelkritik“ bereits als normal. …. Komplettes Interview mit Dilan Yesilgöz vom 20.6.2017 bitte lesen auf
https://www.welt.de/politik/deutschland/article165736346/Manche-Lehrer-haben-Angst-ueber-den-Holocaust-zu-reden.html

Dilan Yesilgöz unterstützt die Arbeit des Büros für demokratische Institutionen und Menschenrechte (ODIHR) und stellte kürzlich in Berlin deren Leitfaden zum Kampf gegen Antisemitismus vor

 

Die Selbstentleibung des WDR
Am Abend (21.6.2017, 23.45 Uhr) fand bei „Maischberger“ der Schauprozeß über die Anti-Semitismus-Doku statt, die die ARD überhaupt nur aufgrund öffentlichen Drucks ausstrahlte. Ungeheuerlich war: Der WDR hat diese vor Ausstrahlung mit Schautafeln und Laufbändern kommentiert. 1. Man sei schon immer gegen Antisemitismus gewesen. 2. Der Film habe gravierende, auch rechtliche, Mängel. Eine auch rechtswidrige Unverfrorenheit, die nicht der Aufklärung, sondern allein der Delegitimierung des Films dient…..
Jörg Schönenborn (WDR) durfte eingangs die Sicht des Senders so lange darlegen, wie er wollte. Weder die Produzenten des Films noch die beim WDR redaktionell verantwortliche Redakteurin wurden auch nur angefragt. Der WDR durfte also im eigenen Sender mit einer von ihm selbst produzierten Sendung sein eigenes Versagen schönreden. Er kommt zu Wort, die Betroffenen Journalisten nicht. Seit Jahrtausenden gilt im Recht dessen fundamentaler Grundsatz: Audiatur et altera pars – Man höre auch die andere Seite. Ein Prinzip, das auch jeder Journalist, der den Namen zu Recht trägt, in seiner Arbeit berücksichtigt. Wie haarsträubend ist es doch, wenn der WDR Tafeln einblendet und als gravierenden Mangel brandmarkt, die Produzenten hätten eine betroffene NGO nicht gehört, und diesen Grundsatz in eigener Sache im selben Kontext mit Füssen tritt…. Alles vom 22.6.2017 auf
http://www.achgut.com/artikel/die_selbstentleibung_des_wdr
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Bilder-Propaganda des ÖR: Flüchtlingskinder, Bildunterschriften
Ich kann nur zustimmen: Immer dann, wenn Bilder, welche den unverhohlenen Judenhass linker Organisationen besonders prägnant dokumentierten, gezeigt wurden, lief wie auf Bestellung der dämliche Banner “Faktencheck auf WDR.de” über den Bildschirm. Sollte heißen: Da wird Quatsch erzählt, aber wir – das im Besitz der Wahrheit befindliche Staatsfernsehen – werden euch Blödis gleich aufklären, was ihr wirklich zu glauben habt. Peinlich, entmündigend und eigentlich defätistisch.
Das Öffentlich-Rechtliche ist Meister darin, mit der Macht der Bilder Propaganda zu machen. Seinerzeit besonders perfide: die Kulleraugen kleiner Flüchtlingsmädchen, während im Hintergrund fast ausschließlich grinsende junge Männer die Grenze überschritten.
Wenn diese Bild-Macht dann einmal zurückschlägt und den alltäglichen Antisemitismus von Gewerkschaften, “Friedens”- Organisationen, Kirchen, LINKE, ATTAC und sonstigen linken Krawallern aller Couleur zeigt, kriegen die Verantwortlichen der Öffis Muffensausen. Nein, das war keine Sternstunde unserer Oberobererzieher vom Staats-TV. Schöneborn, Blüm (der mir -sorry- leicht debil vorkam) und auch Frau Maischberger wirkten blass, unsouverän und getrieben. “Selbstentleibung” ist wirklich ein zutreffender Ausdruck.
Während der sensationell souveräne Auftritt Wolfssohn, der mir im positiven Sinn fast wie ein das Staats-TV richtender Hohepriester vorkam, mich veranlaßt, mich noch eingehender mit dem Thema Antisemitismus und Geschichte Israels aus Sicht kompromißloser Kenner wie Wolfssohn, Mansour und natürlich auch einiger der Autoren der “Achse” zu befassen.
22.6.2017, Dr. Roland Mack, AO
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Diese Laufbänder sind faktische Zensur
Ich muss voll zustimmen, nur fand ich es noch schlimmer, diese Laufbänder sind faktische Zensur und Entwürdigung der Autoren und der Zuschauer und des redenden juedischen Philosophen aus Frankreich und des Bürgermeisters, wie für mich das Ende eines mal linksliberalen WDR ! Interessanterweise gab es keine Laufbänder ,die auf Vorsicht, lassen Sie sich nicht von diesem Redner oder dieser Meinung oder diesen Bildern beeinflussen,bei den grässlichen Rappersongs, die ja die reinsten Hassgesänge gegen Israel, gegen alle Juden und gegen den Westen und für Gewaltanschläge gegen Israel und auf Juden waren. Hat der WDR Angst vor den Geldforderungen dieser verbrecherischen Rapper?
Ein Bekannte von mir meinte, jetzt ist der Schoenenborn für mich der Schnitzler von heute. Ja, und ich werde mir jetzt alle arte und WDR-Sendungen, falls ich noch gucke, daraufhin anschauen, wo wieder ein Unterlaufband gefehlt hat – Die persönliche und intellektuelle und politischen Überlegenheit in der Debatte zum Antisemitismus bei Prof Wolfssohn und Mansour erkennen aber, fürchte ich nur die, die eh schon kritisch zu dem Verfahren von arte und des WDR waren und die solchen Selbstzerstörern wie Verleger und solchen mediengeilen Schwätzern wie Blüm nicht auf den Leim gehen.
Bedenken Sie, die Vernunft ist insgesamt nicht im Anstieg in den Medien und in den Massengesellschaften. Um so schlimmer ist eben diese Sendung gewesen und die Moderation fand ich nicht fair, denn schon in der Zusammenstellung waren es faktisch 6 gegen 2- Schoenenborn, Untertitel, Blüm, Verleger, Pörzgen und Maischberger war ohne Haltung, was ja zu den Charaktereigenschaften von Moderatorinnen immer mehr gehört
22.6.2017, Eva Quistorp, AO

 

Anpassungsdruck an Journalisten im ÖR steigt
Wer sich als Autor künftig die Ergebnisse seiner Arbeit nicht stillschweigend nehmen lassen will, der weiß jetzt, was im Ernstfall möglich ist. Er kann dann von seinem Sender öffentlich als Journalist, der sein Handwerk nicht beherrscht, denunziert und gebrandmarkt werden. Was das für die künftige Auftragslage bedeutet, kann sich wahrscheinlich jeder vorstellen. In manchen Bereichen kommt dies, bedingt durch die marktbeherrschende Stellung der gebührenfinanzierten Sender, einem Berufsverbot gleich. Diese Drohung an Autoren und Journalisten wurde nach dem Mao-Motto “Bestrafe Einen, erziehe Hundert” am Mittwochabend permanent mitgesendet. Der Anpassungsdruck steigt weiter. Viele, die von Aufträgen öffentlich-rechtlicher Sender abhängig sind, werden heikle Themen und Tabuzonen von vornherein meiden. Die Lücken in der journalistischen Wahrnehmung der Wirklichkeit werden so natürlich größer. … Alles vom 22.6.2017 bitte lesen auf
http://www.achgut.com/artikel/schauprozess_beim_wdr_sitzen_sie_in_der_ersten_reihe
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Antisemitismus – Versuch der Erklärung, was falsch läuft
Meiner Ansicht nach haben wir es mit drei Kategorien des Antisemitismus zu tun:
1. Religiös-kultureller, territorialbezogener Antisemitismus im arabischen Raum, welcher historisch religiös bedingt ist und verstärkt wird dadurch, dass ein demokratischer Staat (Israel) innerhalb kurzer Zeit im islamisch dominierten Raum Weltniveau erreicht hat und seinen Anrainern ihre Rückständigkeit vor Augen führt.
2. Links-Antisemitismus, welcher sich speist aus der Solidarität zu den Islamischen Gesellschaftsformen hinsichtlich Kollektivismus und Antikapitalismus sowie aus der Auffassung einer kulturell nicht in den Sozialismus integrierbaren Gruppe.
3. Rechter Antisemitismus in NS-Tradition mit Verschwörungstheorie zur drohenden, unheilvollen Weltherrschaft der Juden
In Medien wurde bisher überwiegend Punkt 3. thematisiert. Wenn nun in einer(!) Dokumentation die zwei ersten Punkte gebracht werden, stellt dies nur die Ausgewogenheit wieder her.
2.6.2017, Ralf Altmeistem TO

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