Alte Säge Zarten – Geschichte wird lebendig

Als um 1780 in Zarten eine wasserbetriebene Hochgangsäge in Betrieb genommen werden konnte, waren die Zartener Bürger sehr stolz darauf, denn das hatte große Auswirkungen auf das Leben und brachte einen gewissen Wohlstand in den Ort. Mussten die Baumstämme bis dahin immer mit Pferde- oder Ochsengespannen in Nachbartäler transportiert werden, konnte nun vor Ort gesägt werden. Die Säge prägte Zarten, wurde in den 30er und 50er Jahren des 20. Jahrhunderts technisch aufgerüstet und war bis in die 80er Jahre hinein auch noch in Betrieb.
Lange Jahre war die Säge dem Verfall preisgegeben und führte ein Schattendasein inmitten von Erdaushub und Bauschuttlagern. Doch heute ist die Alte Säge Ortsmittelpunkt. Sie wurde mit ehrenamtlichem Engagement aufwändig restauriert und prägt mit ihrem multifunktionellen Nutzungskonzept den gesamten Ortsteil nachhaltig. Sie ist Festhalle, Museum und Treffpunkt, eine Bereicherung für das Dorfleben.  Ganz neu werden in der Alten Säge in Zarten von Mai bis Oktober regelmäßige Führungen, die die lange Geschichte der Säge lebendig werden lassen, angeboten.
Die pensionierte Lehrerin Sigrun Bludau hat sich intensiv in die Zartener Geschichte eingearbeitet. Zugute kamen ihr auch die vielen Kontakte nach Zarten, die sie während ihrer langen Laufbahn als Lehrerin aufgebaut und gepflegt hatte. Große Unterstützung fand sie in Familie Heizler und Albert Pfändler, die ihr sowohl schriftliche Quellen als auch mündlich überliefertes Wissen zur Verfügung stellen konnten.
Während ihrer Führungen geht es ihr weniger um exakte Jahresdaten oder um trockene Fakten, vielmehr möchte sie Geschichte lebendig werden lassen und davon erzählen, welche konkreten Auswirkungen die Säge auf das Leben und den Alltag der Menschen damals hatte und wie es war, in der Säge zu arbeiten. Insofern vermittelt Sigrun Bludau nicht nur Säge-Geschichte, sondern auch Dorfgeschichte.
Die Säge bietet eine Fülle an Anschauungsmaterial: sowohl die Hochgang- als auch die Gattersäge sind voll erhalten, auch die Transmissionen im Keller und das Wasserrad an der Außenwand sind funktionsfähig und können besichtigt werden.
Die Führungen finden jeden zweiten Mittwoch im Monat von Mai bis Oktober statt, die erste also heute, am 9. Mai 2012, um 18 Uhr. Auf Anfrage sind auch andere Termine möglich (Tel. 07661 – 61327). Sigrun Bludau führt die Führungen ehrenamtlich durch, deshalb sind sie kostenfrei. Spenden gehen an den Bürgerverein, der sich für die Restaurierung der Säge eingesetzt hat und die vielfältigen Nutzungen organisiert und koordiniert.
Dagmar Engesser, 10.5.2012

Dieser Beitrag wurde unter Ehrenamt, Regio veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort