Alpine Gebírgsschrecke am Schauinsland

Die Freiburger Natur ist auf engem Raum äußerst vielfältig: Während am Tuniberg wärmeliebende Arten vorkommen, die auch am Mittelmeer zu Hause sind, leben wenige Kilometer weiter auf dem 1284 Meter hohen Schauinsland noch einige Überbleibsel aus der Eiszeit. Ein markanter Vertreter dieser so genannten Glazialrelikte ist die Alpine Gebirgsschrecke (wissenschaftlich: Miramella alpina). Dabei handelt es sich um eine Heuschreckenart von charakteristischem Aussehen: Die in der Regel grünschwarz gemusterten Tiere – sporadisch treten auch nahezu vollständig dunkle Exemplare auf – haben auffällige, braune Stummelflügel. Ihre Hinterschenkel sind auf der Unterseite rot gefärbt, außerdem ist der Körper mit abstehenden, hellen Haaren besetzt. Die Gebirgsschrecke gehört zu den so genannten Knarrschrecken, die ihre Töne durch Bewegungen der Kiefer hervorbringen: Sie knirscht also sozusagen mit den Zähnen, wobei Knarr- und Klicklaute entstehen. Die Männchen werden um die zwei, die Weibchen bis zu drei Zentimeter groß. Die Alpine Gebirgsschrecke ist in mehreren Gebirgen Zentraleuropas und Asiens zu Hause – beispielsweise in den Alpen, Pyrenäen und Karpaten. Auch im Schwarzwald gibt es sie an kühlen Stellen mit einer hohen Luftfeuchtigkeit: Etwa auf Heidelbeergebüsch und Stauden am Rande nasser Bergwiesen. Zur Population in den Alpen besteht allerdings schon seit etwa 10 000 Jahren kein Kontakt mehr, das Verbreitungsgebiet ist also zersplittert. Dafür sind Vorgänge während der Eiszeit verantwortlich: Als die Alpen von Gletschern bedeckt waren, musste sich die Gebirgsschrecke nämlich notgedrungen in das eisfreie Alpenvorland zurückziehen. Nach Abklingen der Eiszeit wurde es ihr dort aber zu warm, weshalb sie anschließend wieder in die Alpen, aber auch auf die Höhenlagen von Schwarzwald und Vogesen auswich.

Da die Gebirgsschrecke in Deutschland außerhalb der Alpen und des Alpenvorlands nur noch im Schwarzwald vorkommt, hat Baden-Württemberg eine hohe nationale Schutzverantwortung für diese Art. Dort, wo es sie gibt, sind diese geselligen Insekten vor allem von Juli bis September mit etwas Glück gut zu beobachten: Zum Beispiel, wenn die Männchen um Geschlechtspartner werben. Interessanterweise werden dabei nicht nur die bereits geschilderten Klicklaute mit Hilfe der Mundwerkzeuge erzeugt, sondern auch rhythmische Bewegungen mit den Hinterschenkeln durchgeführt – ähnlich, wie dies Grashüpfer tun, die mit Hilfe ihrer Beine “singen”. Vermutlich handelt es sich dabei um optische Signale für die Weibchen. Von August bis Oktober legen diese ihre Eier in feuchte Böden ab, im darauffolgenden Frühjahr – etwa ab Mai – schlüpfen daraus die neuen Larven. Zum Schutz der Alpinen Gebirgsschrecke ist es erforderlich, Stellen mit hoher Luftfeuchtigkeit und Saumvegetation in kühleren Schwarzwaldlagen zu erhalten und gegebenenfalls neu zu schaffen – etwa Quellbereiche, nasse Wiesen sowie Staudenbewuchs entlang kleiner Bäche. Damit diese wertvollen Biotope nicht zuwachsen, spielt die Offenhaltung der Landschaft eine große Rolle. Von entsprechenden Pflegemaßnahmen am Schauinsland – etwa der extensiven Beweidung – profitiert daher auch die Gebirgsschrecke.
Andreas Braun

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