AKW muss in EU-Staatsbilanzen

Derzeit tauchen Kernkraftwerke, Atom-U-Boote und Atombomben in den Bilanzen der einzelnen EU-Staaten überhaupt nicht auf. Erst wenn diese Risiken mit Kosten für Entsorgung und Endlagerung betriebswirtschaftlich korrekt bilanziert sind, haben die Finanzmärkte einen objektiveren Blick auf die Kreditwürdigkeit der Staaten. Nun scheiterte der Versuch, alle EU-Staaten auf die neuen Bilanzierungsstandards IPSAS einzuschwören.

http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page/portal/conferences/introduction/2013/epsas
Der Atomausstieg gehört in die Staatsbilanzen
Eine Frage hatte auf der Eurostat-Konferenz keiner der 250 Teilnehmer gestellt: Wenn die IPSAS-Standards aus New York so “undisputable” (EU-Kommission) sind, warum werden sie dann nicht zuerst in den USA eingeführt? Wenn die dortigen Kernkraftwerke, Atom-U-Boote und Atombomben betriebswirtschaftlich korrekt mit ihren Entsorgungs- und Endlagerungskosten bilanziert würden, könnten doch die Finanzmärkte einen neuen, objektiven Blick auf die Kreditwürdigkeit des mit AAA bewerteten Mutterlandes der internationalen Bilanzierungsstandards werfen. Dass dies nicht geschieht, zeigt, dass der Kapitalismus sich immer wieder selbst ein Bein stellt, indem er Forderungen an Transparenz, Chancengleichheit und Marktöffnung stellt, die seine Hauptprotagonisten nicht erfüllen können und wollen. …..
Alles vom 10.6.2013 bitte lesen auf
http://www.heise.de/tp/artikel/39/39239/1.html 

 

Eurostat als neutrale Behörde
Als Eurostat-User muss ich feststellen, dass ich keine Behörde kenne, die schneller und besser aktuelle Zahlen liefert als Ihre. Die Europäische Kommission scheint die Zahlen aber systematisch zu ignorieren. Was spricht dagegen, wenn Eurostat selbst mit interpretiert? Es kann sich ja immer noch jeder sein eigenes Bild machen.
Walter Radermacher: Die Rolle und Verantwortlichkeiten von Eurostat sind in der EU-Gesetzgebung festgelegt. Eurostat veröffentlicht europäische Statistiken ausdrücklich in einer unabhängigen und neutralen Weise. Für die sozio-ökonomische Interpretation der Daten sind die Generaldirektionen der Kommission zuständig. Indem die Daten jedem zugänglich sind, ermöglicht Eurostat jedem – wie Sie bereits erwähnt haben – sich sein eigenes Bild zu machen. ….
Gesamtes Interview “Für die sozio-ökonomische Interpretation der Daten sind die Generaldirektionen der Kommission zuständig” mit Eurostat-Generaldirektor Walter Radermacher vom 10.6.2013 bitte lesen auf
http://www.heise.de/tp/artikel/39/39241/1.html 
http://epp.eurostat.ec.europa.eu/portal/page/portal/eurostat/home/ 

    

Bilanzierungsstandards IPSAS bzw. EPSAS sollen Risiken der EU-Saaten transparenter machen

IPSAS (International Public Sector Accounting Standards) sind von der in New York beheimateten Weltorganisation der Wirtschaftsprüfer erarbeitete Standards nach dem Vorbild der Bilanzen börsennotierter Unternehmen nach den IFRS-Standards (International Financial Reporting Standards). Kritiker halten beide Standards für undemokratisch und zu kostenintensiv.

EPSAS (European Public Sector Accounting Standards) sind eine europäische Version der IPSAS. Diese soll auch sozialpolitische und gesellschaftliche Belange berücksichtigen und die Staatseinnahmen stärker in den Vordergrund stellen. Für die Erarbeitung der EPSAS soll ein demokratisch legitimiertes Gremium gebildet werden. Die jungen deutschen Finanzwissenschaftler Andreas Burth (Uni Hamburg) und Professor Dennis Hilgers (Universität Linz) sind die Pioniere der EPSAS-Einführung in Deutschland und betreiben die Webseite EPSAS.eu.

Ergebnisse der neuen Bilanzierung von Staaten über IPSAS bzw. EPSAS:
Viele Staaten kennen ihre Vermögen und den Wert ihrer Infrastruktur und Ressourcen nicht. Allerdings könnte durch die Aufdeckung von Vermögen auch neuer Privatisierungsdruck entstehen. In der neuen Bilanz werden Schulden als Passiva den Vermögen als Aktiva gegenüber gestellt.
Viele Staaten weisen ihre Zukunftsbelastungen etwa für Pensionen und die Endlagerung von Atommüll nicht aus. Nachteil: Die neue Transparenz könnte die Bonität drastisch verschlechtern. Auch die deutschen Bürgschaftsrisiken für andere EU-Staaten würden auf einmal zur Belastung der Bilanz.
Viele Staaten schätzen die Risiken ihrer Investitionen nicht ein, etwa beim Flughafen Berlin-Brandenburg, den Drohnen oder der Elbphilharmonie. Wenn Investitionen als Wirtschaftsgüter bilanziert werden, muss auch deren Abschreibung oder Totalverlust ausgewiesen werden.

Dieser Beitrag wurde unter EU, Finanzsystem abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort