Adi Oberst – Drehorgelspieler

„Adi“ von der Tankstelle sagte ganz leise „Adieu“ – als Drehorgelspieler macht er weiter. Er war mit Sicherheit der bekannteste und beliebteste Tankwart in der Region: Adi Oberst hat vor wenigen Tagen nach über vierzig Jahren seinen Dienst an der „Tankstelle im Dreisamtal“ beendet und ist in den verdienten Ruhestand gegangen. Er hat seinen Beruf geliebt und die schönsten Momente waren, wenn die Kunden zufrieden die Tankstelle verlassen haben. „Für mich war ganz wichtig“, erzählt Adi Oberst dem „Dreisamtäler“, „dass die Kunden mit einem Lächeln kamen und mit einem Lächeln wieder gingen.“ Schließlich sollte sich seine Zufriedenheit am ausgeübten Job übertragen: „Ich bin bis zum letzten Tag mit einem Lächeln an meinem Platz gewesen. Und immer gerne um morgens um vier Uhr aufgestanden.“ Am 6. November 1973 begann Adi Oberst seinen Tankwartdienst an der Tankstelle vom Autohaus Huber an der Zartener Straße. Nach dem Inhaberwechsel mit der Namensänderung in „Autohaus im Dreisamtal“ bekam auch die Tankstelle einen anderen Namen: „Tankstelle im Dreisamtal“. Adi Oberst war das verbindende Element. Gerne erinnert er sich an die Zeiten, wo der Tankwart die Kunden noch persönlich bediente: Tank auffüllen, Scheiben putzen, Öl und Luft kontrollieren. Als dann das Tanksystem auf Selbstbedienung umgestellt wurde, durfte Adi diese Serviceleistungen nicht mehr erbringen: „Das war unlauterer Wettbewerb. Ich musste zumindest eine D-Mark für Bedienung nehmen.“ Zwanzig Jahre machte er den Dienst alleine. Dann kam mit Heiko Dold ein „guter Kollege“, mit dem er sich bis zum Schluss gut verstanden habe. „Wir waren in der Region die erste Tankstelle mit bleifreiem Benzin“, erinnert sich Adi Oberst und weiß noch, dass er sich während der Ölkrise in den 70er Jahren mit den autofreien Sonntagen Sorge um den Job machte.

 

Der Mann von der Tankstelle: Adi Oberst ist nach vierzig Dienstjahren im Ruhestand. Foto: Gerhard Lück

Doch Adi Oberst ist nicht nur als begnadeter Tankwart im Dreisamtal bekannt und beliebt. Auch als „Der Drehorgelspieler“ machte er sich einen Namen. Es gibt kaum ein Fest, auf dem er nicht mit seiner Orgel aufspielt, zurzeit meist im Nikolausgewand auf Weihnachtsmärkten. Dabei galt der Erlös seines Musizierens nicht der Aufbesserung des eigenen Taschengeldes. Adi Oberst hat sich ganz der Unterstützung der integrativen Arbeit im „Hofgut Himmelreich“ verschrieben. Über 10.000 Euro konnte er in den letzten sieben Jahren dorthin spenden. Vor zwei Jahren verlieh ihm das Diakonische Werk Baden dafür das „Kronenkreuz“ in Silber. Vom Hoffest im Himmelreich ist er nicht mehr wegzudenken, so dass Himmelreich-Geschäftsführer Jochen Lauber bekennt: „Adi hat uns geholfen, den jährlichen Flohmarkt beim Hoffest zu etablieren. Und dass er sogar an der Tankstelle eine kleine Kasse hatte, mit der er für die integrative Arbeit der Akademie Himmelreich sammelte, rechnen wir ihm ganz hoch an.“ Mit allen ehemaligen Kunden und den Menschen mit Handicap im Himmelreich dankt auch der „Dreisamtäler“ für das „Lebenswerk“ von Adi Oberst und wünscht ihm Gesundheit und Zufriedenheit im Ruhestand.

 

 

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