900 Jahre Eschbach, Eingemeindung, Gastronomie, Zukunft

Aus „aktuellem“ Anlass steht in diesem Jahr in der Dorf-aktuell-Serie nicht der Kernort Stegen, sondern Eschbach im Fokus. Denn Eschbach feiert in diesem Jahr sein 900-jähriges Bestehen. Das ganze Jahr ist schon von diesem geschichtsträchtigen Ereignis geprägt: der Neujahrsempfang Stegens fand in diesem Jahr in der Halle Eschbachs statt und war eine offene Veranstaltung, zu der alle Bürger eingeladen waren. Für Ortsvorsteher Bernhard Schuler war es eine gelungene Veranstaltung, weil Bürger, Ortschaftsräte und Gemeinderäte ins Gespräch kamen. Im Frühjahr fanden zwei Veranstaltungen über die Geschichte der Höfe Eschbachs und über Eschbacher Familiennamen und im Mai ein Kirchenkonzert statt. Im Juli wird es ein Open-Air-Theater mit einer Zeitreise durch die Jahre 1780 bis 1790 im Pfarrhof der St. Jakobus Kirche geben und der Höhepunkt des Jahres ist das Jubiläumswochenende im September. Zum Jahresende hin wird außerdem ein Buch erscheinen, das 900 Jahre Eschbach beleuchtet.
Dreisamtäler: Herr Schuler, wird unser „Dorf aktuell“-Interview heute eher historisch als aktuell?
Schuler: 900 Jahre Eschbach ist etwas Besonderes und es lohnt es sich, die Geschichte anzuschauen. Aber es soll nicht bei einer Rückschau bleiben, wir wollen auch in die Zukunft schauen.
Dreisamtäler: Kirchzarten feierte ja auch schon mal ein solch großes Jubiläum. Heute vermutet man da jedoch einen Rechenfehler. Woran machen Sie denn Eschbachs Alter fest?
Schuler: Im Rotulus von San Petrinus, dem Klosterverzeichnis von St. Peter, wurde in den Jahren 1111/1112 eine Mühle in Ascelinisbach – dem heutigen Eschbach – urkundlich erstmals erwähnt. Damals gehörten 17 Höfe von Eschbach zum Kloster St. Peter, die in diesem Verzeichnis erwähnt waren und das von den Benediktinermönchen, die damals federführend in Wissenschaft und Lehre waren, akribisch genau geführt wurde.
Dreisamtäler: In Eschbach gibt es 2012 eine anspruchsvolle und hochkarätige Veranstaltungsreihe rund um 900 Jahre Geschichte.  
Schuler: Ich bin stolz darauf, dass das so ist. Möglich sind diese vielen Aktivitäten jedoch nur, weil die Bevölkerung, die Vereine und die Gruppierungen Eschbachs sich aktiv einbringen und engagieren!

Dreisamtäler: Da wären wir dann also in der Moderne angekommen: in Eschbach gibt es viele aktive Vereine!
Schuler: Wir haben ein intaktes und vor allem auch ein erfolgreiches Vereinsleben! Der Musikverein spielt auf einem sehr hohen Niveau und betreibt intensive Jugendarbeit und Ausbildung. Der Sportverein mit seiner Ringerabteilung ist ungeheuer erfolgreich und konnte mit einem Jugendlichen (Name?) den Titel des Deutschen Meisters im griechisch-römischen Stil holen. Darüber hinaus bietet der Sportverein Karate, Kinderturnen, Jazzdance, Damenfitness an. Für die Bürger ist das ein sehr breit gefächertes Sport- und Freizeitangebot.
Dreisamtäler: Auch der Tausziehclub ist sportlich top!
Schuler: Er ringt in der Bundesliga und Eschbacher sind immer wieder auch Mitglieder der Nationalmannschaft und nehmen an Weltmeisterschaften teil. Nicht vergessen darf man die Frauengemeinschaft, die regelmäßig einen Adventsbasar für gemeinnützige Zwecke durchführt und wie die Eschbacher ticken, zeigt auch die Feuerwehr: sie bekommt in diesem Jahr einen neuen Mannschaftstransportwagen. Dieser MTW durch einen ehrenamtlichen Holzeinschlag und Forsteinsatz der Feuerwehrmänner im Gemeindewald mitfinanziert. Dieses rege Vereinsleben ist dank der Halle in Eschbach möglich!

Dreisamtäler: Das war klug taktiert bei der Eingemeindung 1973, bei der der Neubau der Halle zugesichert wurde.
Schuler: Das ist nicht ganz richtig. Es ging erst einmal nur um einen Anbau an die bestehende Halle. Als es an die Realisierung ging, wurde zuerst ein Raumprogramm erstellt mit dem dann ein Wettbewerb ausgeschrieben wurde. Maßgabe war es, die kostengünstigste Variante auszuloten. Das Ergebnis war der Abriss der alten Halle und ein Neubau. In diesem Sinne arbeitete die Zeit für uns. Die Halle ging 1999 in Betrieb und gab dem Vereinsleben einen deutlichen Auftrieb!
Dreisamtäler: Die Halle ist für Eschbach ein richtiges Zentrum
Schuler: Es ist ja nicht nur die Halle. In unmittelbarer Nachbarschaft befinden sich die Grundschule und der Kindergarten mit drei Gruppen. In der Grundschule werden die Klassen eins bis vier einzügig unterrichtet und es gibt eine Kernzeitbetreuung. Der Kindergarten wird dreigruppig mit einer Kleinkindgruppe ab einem Jahr geführt. Entsprechende Umbauten, wie Wickel- und Ruheraum wurden dafür im vergangenen Jahr getätigt.
Dreisamtäler: Eschbach hat zwar 900 Jahre alte Wurzeln, die Moderne hält aber dennoch Einzug.
Schuler: Auch bei uns verändern sich die Familienstrukturen. Darauf muss die Gemeinde mit entsprechenden Angeboten reagieren. Übrigens nicht nur im Kinderbereich. Auf dem Friedhof soll ein gärtnerisch gepflegtes Grabfeld eingeführt werden. Es ist heute eben nicht mehr selbstverständlich, dass die nachfolgende Generation die Gräber so pflegen kann, wie es früher der Fall war.

Dreisamtäler: Ist Eschbach denn so etwas wie eine Schlafstadt vor den Toren Freiburgs?
Schuler: Das kann man nicht sagen. Sicher ist Eschbach geprägt von vielen zugezogenen Mitbürgern, die in Freiburg arbeiten und in Eschbach wohnen. Gleichzeitig ist Eschbach noch sehr landwirtschaftlich geprägt, immerhin gibt es noch 32 Höfe, die voll oder im Nebenerwerb bewirtschaftet werden. Ich habe den Eindruck, dass durch die vielen Angebote in Eschbach viele „Neubürger“ sich gut in die Dorfgemeinschaft integriert haben und das Miteinander gut funktioniert und ich bin immer wieder überrascht über das ehrenamtliche Engagement meiner Mitbürger.

Dreisamtäler: Eschbach verfügt über eine relativ gute Infrastruktur, was Schule, Kindergarten und Halle angeht. Auch über die Verkehrsanbindungen können Sie nicht klagen: es gibt eine durchgängige Radwegverbindung nach Stegen – ein Reststück fehlt allerdings noch – und der Bus fährt im Halbstundentakt nach Kirchzarten mit dem Anschluss nach Freiburg. Die Nahversorgung fehlt leider, es gibt inzwischen keine Geschäfte mehr in Eschbach.
Schuler: Das ist bedauerlich, ebenso wie der Rückgang der Gastronomie. Wir haben auch sehr viel im Bereich der Erschließung der Hofzufahrten geleistet und inzwischen sind die meisten Höfe ans Kanalnetz angeschlossen. Und eine weitere wichtige Infrastrukturleistung ist der Ausbau mit dem schnellen Internet, der bis im Herbst diesen Jahres abgeschlossen sein soll. Wir haben uns für die Variante Verlegung von Glasfaserleitungen entschieden und nicht für Funk. Von dieser infrastrukturellen Verbesserung profitieren nicht nur Privatleute, sondern auch die Landwirte, die heute auf das Internet angewiesen sind, angefangen vom Stellen von Anträgen, über Tiermeldung bis hin zum Tourismus. Aber Sie haben Recht: unsere Infrastruktur kann sich zeigen lassen und dazu beigetragen haben sicherlich die Baugebiete Reckenberg und Sommerberg.
Dreisamtäler: Noch ein Wort zur Zukunft?
Schuler: Wünschenswert wäre es, den Ortskern rund um Kirche und Rathaus aufzubessern. Wir hoffen, dass wir dafür ELR-Mitteln (Entwicklung ländlicher Raum) bekommen können.
Dreisamtäler: Herr Schuler, ich bedanke mich für dieses Gespräch!
Mit dem Ortsvorsteher Bernhard Schuler unterhielt sich Dagmar Engesser, www.dreisamtaeler.de

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